Applaudiert — Augustus: Er fand Rom aus Ziegeln vor und hinterließ es aus Marmor
Das Jahr 9 n. Chr.
Das Jahr 9 n. Chr. Publius Quinctilius Varus regiert in Germanien. Dio schreibt, die Römer hielten dort nur einige Gegenden; Legionen stehen, Städte entstehen, und die Einheimischen gewöhnen sich an römische Sitten und Märkte (56.18). Varus behandelt sie wie Untertanen. Die beiden Anführer der Verschwörung, Arminius und Segimer, speisen mit ihm an einem Tisch. Warnungen hört er nicht, und wer ihn warnt, den tadelt er für unnötige Aufregung (56.19).
In den Wald gelockt, kämpft er sich vier Tage lang unter Beschuss voran, und ein Unwetter mit Regen und Sturm reißt die Marschordnung auseinander; die Wagen lässt er zurück oder verbrennt sie (56.20–21). In einem engen Durchgang prallen die Soldaten aufeinander und gegen die Baumstämme. Als Varus und die wichtigsten Offiziere sich das Leben nehmen, hören die übrigen auf, sich zu wehren (56.21–22). Drei Legionen gehen unter, zusammen mit dem Feldherrn, den Legaten und den Hilfstruppen (Sueton, Augustus 23).
Augustus erfährt von der Niederlage. Dio schreibt, er habe angeblich seine Kleider zerrissen. Er fürchtet um die germanischen und gallischen Provinzen, am meisten aber um Italien und Rom, denn im Land ist niemand im wehrfähigen Alter mehr übrig, der der Rede wert wäre (56.23). Sueton ergänzt: Er lässt die Stadt nachts bewachen, verlängert die Amtszeiten der Statthalter, damit die Verbündeten erfahrene Leute bei sich haben, und gelobt Spiele für Jupiter. Außerdem löst er die Abteilung germanischer Leibwächter auf, die er bis dahin gehabt hatte (Augustus 23, 49).
Dann beschreibt Sueton eine Szene, bei der es einen kalt überläuft. Monatelang lässt sich Augustus weder Haare noch Bart schneiden. Manchmal schlägt er mit dem Kopf gegen den Türrahmen und ruft: „Quinctilius Varus, gib mir meine Legionen wieder!“ Den Jahrestag der Niederlage begeht er jedes Jahr als Trauertag. Das ist der Bericht eines einzigen Autors, und die Einzelheiten können ausgeschmückt sein. Sicher sind die Niederlage und die politische Erschütterung.
Im August des Jahres 14 n. Chr. ist Augustus fünfundsiebzig und krank. Er fährt die Küste Kampaniens entlang und macht vier Tage in einer Villa auf Capri Halt. Sueton schreibt, er habe sich dort ganz der Erholung und geselligen Vergnügungen hingegeben (Augustus 98). Merk dir diese Insel.
Im Golf von Puteoli nähert sich ihm ein Schiff aus Alexandria. Passagiere und Besatzung, weiß gekleidet und bekränzt, verbrennen Weihrauch und rufen, dank ihm lebten sie, befahren die Meere und genössen Freiheit und Wohlstand. Augustus ist so erfreut, dass er jedem seiner Begleiter vierzig Goldmünzen schenkt. Unter einer Bedingung: Sie dürfen sie nur für Waren aus Alexandria ausgeben (Augustus 98). Aus demselben Alexandria, in das er dreiundvierzig Jahre zuvor eingezogen war.
Er stirbt in Nola. Am letzten Tag, so beschreibt es Sueton, fragt er immer wieder, ob es seinetwegen in der Stadt Unruhen gebe. Er verlangt einen Spiegel, lässt sich die Haare kämmen und die eingefallenen Wangen richten. Er ruft seine Freunde und fragt, ob sie finden, dass er die Komödie des Lebens gut gespielt habe. Dann fügt er die übliche griechische Schlussformel eines Theaterstücks hinzu: Wenn ich gut gespielt habe, so klatscht Beifall und geleitet mich mit Applaus von der Bühne.
Dann schickt er alle hinaus. Im Gespräch mit Besuchern aus Rom über die kranke Tochter des Drusus stirbt er plötzlich, während er Livia küsst. Letzte Worte: „Livia, lebe und denk an unsere Ehe, und leb wohl“ (Augustus 99). Er starb im selben Zimmer wie sein Vater, am 19. August 14 n. Chr., fünfunddreißig Tage vor seinem sechsundsiebzigsten Geburtstag (Augustus 100).
Die Szene ist zu schön, um nicht Literatur zu vermuten. Die Forscher Brandão und Leão zeigen, dass Sueton die Biografie des Augustus ideologisch aufbaut, die Einzelheiten der letzten Augenblicke können also ausgeschmückt sein. Sicher sind Ort, Datum und natürlicher Tod.
Sueton fügt noch ein Detail hinzu. Augustus rief einmal in plötzlicher Angst, vierzig Männer trügen ihn fort. Vierzig Soldaten der Prätorianergarde trugen später seinen Leichnam hinaus (Augustus 99). Bis Bovillae tragen ihn Senatoren aus den Städten und Kolonien nachts von Nola aus, wegen der Hitze. Tagsüber liegt der Leichnam in der Basilika oder im Haupttempel der Stadt, die sie gerade erreicht haben. Ab Bovillae übernehmen ihn die Ritter. Die Asche wurde im Mausoleum des Augustus beigesetzt.
Das Testament wurde im Senat geöffnet. Erben sind Tiberius, zu zwei Dritteln, und Livia, zu einem Drittel; beide sollen den Namen des Augustus annehmen. Das Volk erhält vierzig Millionen Sesterze. Für die Soldaten: tausend für jeden Gardisten, fünfhundert für die Stadtkohorten und dreihundert für die Legionäre. So viel Bargeld hatte Augustus immer zur Hand (Augustus 101).
Was geschah in Nola, als Tiberius ankam? Hier gehen die Quellen auseinander. Sueton schreibt, Augustus habe ihn von seiner Reise nach Illyrien zurückgerufen und einen ganzen Tag mit ihm unter vier Augen verbracht, noch lebend (Tiberius 21). Tacitus erzählt diesen Moment anders. Tiberius wird durch einen eiligen Brief seiner Mutter gerufen, aber Tacitus räumt ein, man wisse nicht, ob er Augustus in Nola noch lebend antraf. Livia ließ das Haus von Wachen abriegeln, man verkündete gute Nachrichten, bis alles vorbereitet war, und mit einer einzigen Mitteilung erfuhr die Welt, dass Augustus tot und Tiberius Herr des Staates war (Annalen 1.5).
Bleibt noch das Gerücht über Livia. Tacitus notiert, Augustus sei einige Monate zuvor heimlich nach Planasia gefahren, zum verbannten Agrippa Postumus, und jemand habe die Ehefrau verdächtigt, an seinem Tod beteiligt gewesen zu sein. Dio fügt hinzu, Livia habe eine Versöhnung mit dem Enkel gefürchtet und angeblich Feigen mit Gift bestrichen, die Augustus selbst vom Baum pflückte (56.30). Beide schreiben darüber als Gerücht und Verdacht, und die Forschung hält es für sehr unwahrscheinlich.
Wie viel an dieser Geschichte ist sicher? Sortiere.
Und jetzt bring die ganze Geschichte in die richtige Reihenfolge, von der Rückgabe des Staates im Januar bis zum Tod in Nola.
In der nächsten Folge: Tiberius, der Stiefsohn, den Augustus wählte, als die Enkel fehlten. Sueton notiert, die Leute hätten erzählt, Augustus habe beim Anblick des hinausgehenden Tiberius geseufzt: Armes römisches Volk, das zwischen so langsamen Kiefern zermahlen werden wird. Sueton selbst glaubt das nicht (Tiberius 21). Sicher ist etwas anderes: Augustus zwang diesen Mann, sich von seiner schwangeren Frau scheiden zu lassen, und adoptierte ihn erst nach dem Tod von Gaius und Lucius. Jetzt hat Tiberius den Thron. Und die Insel, auf der Augustus seine letzten heiteren Tage verbrachte.