Die Rückgabe — Augustus: Er fand Rom aus Ziegeln vor und hinterließ es aus Marmor
Sueton, der um das Jahr 120 schrieb, berichtet, Augustus habe sich gerühmt, er habe Rom aus Ziegeln vorgefunden und aus Marmor hinterlassen. Bevor er aber irgendetwas baute, musste er etwas Schwierigeres schaffen. Er musste die Römer davon überzeugen, dass er gar nicht über sie herrschen wollte.
Januar 27 v. Chr. Die Bürgerkriege sind vorbei. Antonius und Kleopatra sind tot, Caesars Mörder ebenfalls, und Sextus Pompeius wurde auf Sizilien geschlagen. Tacitus schreibt, von der Partei Julius Caesars sei nur noch ein einziger Feldherr übrig gewesen (Annalen 1.2). Octavian ist fünfunddreißig, hat treue Legionen und niemanden, der sich ihm widersetzen könnte.
Ein Jahr zuvor, 28 v. Chr., verteilt er Geschenke und zeigt sich milde. Dio schreibt, das Volk erhalte die vierfache Getreideration, und Octavian erlasse die Schulden gegenüber der Staatskasse aus der Zeit vor Actium und verbrenne die alten Schuldscheine der Staatsschuldner (53.2). Dann betritt er den Senat, eine Rede in der Hand.
Dio, der zwei Jahrhunderte später schrieb, gibt sie vollständig wieder. Es ist seine Rekonstruktion, kein Protokoll, aber der Sinn ist klar. Octavian sagt, er könnte bis an sein Lebensende herrschen, denn alle Parteien seien beruhigt, das Heer sei ihm treu, und an Geld und Verbündeten fehle es nicht. Und genau deshalb werde er es nicht tun.
Die Senatoren hören zu und wissen nicht, was sie denken sollen. Dio teilt sie in drei Gruppen. Die wenigen, die die wahre Absicht kennen, klatschen eifrig. Die übrigen glauben ihm entweder nicht, oder sie glauben ihm und wissen nicht, was sie damit anfangen sollen. Wer ihm glaubt, wagt nicht, sich zu freuen. Wer ihm nicht glaubt, wagt nicht, ihn zu entlarven (53.11).
Jetzt bist du Senator. Der Mann, der das größte Heer im Staat befehligt, steht vor dir und gibt dir alles zurück. Was tust du?
Im Senat sagt niemand laut, dass das ein Spiel ist. Dio schreibt, Octavian habe sein Ziel erreicht: Senat und Volk bestätigten seine Macht. Er übernahm „die Sorge um die Angelegenheiten des Staates“, denn irgendjemand muss es ja tun, aber nicht über alle Provinzen und nicht für immer (53.12).
Die schwächeren, ruhigen Provinzen überließ er dem Senat. Die stärkeren, unruhigen und an Feinde grenzenden behielt er für sich. Offiziell, damit die Senatoren ohne Furcht den besseren Teil des Reiches genießen konnten, während er Mühen und Gefahren trug. Dio fügt einen eigenen Kommentar hinzu: In Wahrheit ging es darum, dass die Senatoren wehrlos blieben und nur er Waffen und Soldaten hatte.
Blieb noch ein Problem: Wie nennt man einen Mann, der zugleich niemand und alles ist? Dio schreibt, Octavian habe unbedingt Romulus werden wollen, der zweite Gründer der Stadt, doch er merkte, dass das nach Königtum roch, und verzichtete (53.16). Sueton erzählt es etwas anders: Als einige zu Romulus rieten, schlug Munatius Plancus Augustus vor, weil dieses Wort ehrwürdiger klinge und sich auf Heiliges beziehe (Augustus 7).
Die Quellen sind uneins, ob Octavian selbst Romulus wollte oder ob andere es ihm nahelegten. Einig sind sie sich über das Ergebnis. Von nun an ist Octavian Augustus, also „der Erhabene“, fast schon übermenschlich. Die Griechen nennen ihn Sebastos.
Die erste Bitte eines Mannes, der nichts will? Dio notiert sie gleich nach der Rede: Der Senat soll seiner Leibwache doppelten Sold bewilligen, damit sie ihn gut bewacht (53.11).