Der letzte Tag des Vitellius
20. Dezember 69 n. Chr.: Rom fällt in die Hände der Flavier, und Vitellius erlebt seinen letzten Tag. Die Route auf dem Stadtplan.

Transkript
Der zwanzigste Dezember. In Rom feiert man gerade die Saturnalien, das fröhlichste Fest des Jahres.
Drei Kolonnen der Flavier ziehen in die Stadt ein: auf der Via Flaminia, am Ufer des Tibers und vom Collinischen Tor.
Das Volk steht an den Straßen und sieht dem Kampf zu wie den Spielen. Es klatscht mal dem einen, mal dem anderen.
Am längsten halten sich die letzten Soldaten des Vitellius im Lager der Prätorianer.
Der Kaiser lässt sich in der Sänfte auf den Aventin tragen, zum Haus seiner Frau. Dann kehrt er in den Palast zurück.
Der Palast ist leer. Selbst die niedrigsten Sklaven sind geflohen.
Vitellius geht durch die Gemächer und rüttelt an den verschlossenen Türen.
Ein Tribun zerrt ihn aus seinem Versteck. In zerrissenem Gewand führen sie ihn über das Forum,
vorbei an der Rednerbühne und an der Stelle, wo elf Monate zuvor Galba starb.
Der Tribun verhöhnt ihn. Und er antwortet mit einem einzigen Satz:
„Und doch war ich euer Kaiser.“