Achtunddreißig Tage — Caesar I: Fünfzig Talente

Du erinnerst dich an die fünfzig Talente. Der Preis ist festgesetzt, und jemand muss ihn aufbringen. Caesars Leute fahren los, um Geld zu holen. Er bleibt auf einer felsigen Insel mit einigen wenigen Vertrauten: nach Plutarch mit einem Freund und zwei Dienern, nach Sueton mit einem Arzt und zwei Kammerdienern. Ringsum kreuzen zahlreiche Piraten, die Plutarch die blutrünstigsten Menschen der Welt nennt. Ihn erwarten achtunddreißig Tage, so viele nennt Plutarch; nach Sueton fast vierzig.

Wie verhält man sich, wenn alles von Leuten abhängt, die zum Vergnügen töten? Probiere aus, was du an seiner Stelle tun würdest, und sieh dann, was Caesar nach Plutarch tat.

Warum ertrugen die Piraten das? Plutarch schreibt, sie hielten sein Verhalten für einen Scherz und jugendlichen Trotz. Er war auch einfach zu wertvoll: Ein gesunder Gefangener brachte Lösegeld, ein gekränkter oder toter nichts. Das Selbstbewusstsein, das ihn anderswo das Leben gekostet hätte, war hier seine beste Versicherung.

Woher kam das Lösegeld? Caesar hatte es nicht. Velleius Paterculus schreibt klar, dass die Städte Asiens das Lösegeld zahlten und Caesar den Piraten noch Geiseln für diese Städte abpressen konnte. Plutarch ergänzt, dass das Geld aus Milet kam. Nach dem Sieg, so hält Plutarch fest, holte Caesar sich das Geld aus der Beute zurück.

Hatte er dazu ein Recht? Nicht im Geringsten. Das Schicksal der Gefangenen hing vom Statthalter der Provinz Asia ab, Marcus Iunius, und Caesar hatte damals kein Amt. Die Quellen deuten an, dass den Statthalter die Beute mehr interessierte als Gerechtigkeit und er deshalb das Urteil hinauszögerte.

Sueton fügt ein Detail hinzu, das Caesars Milde beweisen soll: Vor der Kreuzigung ließ er den Gefangenen die Kehle durchschneiden, damit sie nicht am Kreuz litten (74). Für die Römer war das ein Beweis der Barmherzigkeit. Für uns eher ein Beweis, mit welch anderem Maß man damals Grausamkeit maß. Das Kreuz war in Rom die Strafe für Sklaven, Aufrührer und Räuber, und einen römischen Bürger durfte man nicht kreuzigen: Cicero nennt das später das schrecklichste Unrecht.

Cicero schreibt später, ein Pirat sei kein gewöhnlicher Feind, sondern der Feind aller, weshalb ihm gegenüber weder Wort noch Eid gelte. Dieses Denken erklärt, warum, soweit wir wissen, niemand Caesar für die Eigenmächtigkeit zur Rechenschaft zog.

Die Piraterie verschwindet nicht durch eine einzige Rache. Acht Jahre später, im Jahr 67 v. Chr., überträgt die Volksversammlung Pompeius außerordentliche Gewalt über das ganze Meer. Pompeius erhält fünfhundert Schiffe und mehr als hunderttausend Mann Fußvolk und säubert nach Plutarch das Meer in drei Monaten. Caesar hatte mit einer einzigen Bande abgerechnet, und ohne jeden Befehl. Tausende unterworfene Piraten siedelt Pompeius als Bauern im Landesinneren an. Zwei Methoden: das Kreuz und das Land. Diese beiden Männer werden sich noch begegnen.

Erst jetzt erreicht Caesar Rhodos. Rhodos ist damals so etwas wie die Universität der griechischen Welt. Caesar lernt bei Apollonios Molon, dem Rhetor, bei dem einige Jahre zuvor Cicero seinen Stil geschliffen hatte. Quintilian schrieb, hätte Caesar sich ausschließlich den Gerichten gewidmet, wäre er Ciceros einziger Rivale gewesen. Plutarch ergänzt, er hätte der erste Redner Roms werden können, habe aber lieber den Vorrang an Macht und Stärke gesucht. Nach Sueton sprach er lebhaft, mit kräftiger Stimme und ausdrucksvoller Geste.

Im Osten wird es wieder heiß. Im Jahr 74 stirbt König Nikomedes IV. von Bithynien, derselbe, dessen Hof Caesar einen schlechten Ruf eingebracht hatte, und vermacht sein Königreich Rom. Mithridates, der König von Pontos und Erzfeind Roms, erträgt das nicht und nimmt den Krieg wieder auf. Caesar setzt aufs Festland über und sammelt auf eigene Faust, ohne jedes Amt, Hilfstruppen. Er verdrängt die Leute des Königs aus der Provinz und stärkt die Städte, die ins Wanken geraten waren. Niemand hat es ihm befohlen. Er ist etwa sechsundzwanzig und hat gerade begriffen, dass Initiative eine Währung ist.

Um 73 erhält er die Nachricht: Das Kollegium der Pontifices hat ihn anstelle des verstorbenen Cotta, eines Verwandten der Mutter, aufgenommen. Fünfzehn Priester wachen dort über Kalender, Riten und das Religionsrecht, es ist also nicht nur eine Ehre, sondern auch ein Platz unter Leuten, die alle wichtigen Geschlechter kennen. Das ist die Rückfahrkarte nach Rom. Er fährt in einem kleinen Boot über die Adria, mit zwei Freunden und zehn Sklaven. Nach Velleius Paterculus legt er beim Anblick von Schiffen, die er für Piraten hält, die Kleider ab und schnallt sich einen Dolch an den Oberschenkel. Ein zweites Mal wird er sich nicht lebend fangen lassen. In Rom aber wartet etwas Gefährlicheres als Piraten: Rechnungen, die er nicht bezahlen kann.

Bevor du weitergehst, ordne alles noch einmal im Kopf: von der Geburt in der Subura bis zum Kollegium der Pontifices.

Im Jahr 73 ist Caesar siebenundzwanzig, Priester und kennt den Geschmack eines eigenen Feldzugs gegen die Piraten, hat aber noch keine Schlacht gewonnen. Vor ihm liegt ein Rom, in dem Beliebtheit mehr kostet als ein Lösegeld. In der nächsten Folge, „Caesar II: Rom auf Pump“, siehst du, wie man mit fremdem Geld eine ganze Stadt kauft.

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