Der fremde Name — Octavian, Antonius und Kleopatra: Krieg um die Welt

Rom, März 44 v. Chr.

Rom, März 44 v. Chr. Caesar liegt ermordet da, und Antonius, sein Mitkonsul, verkleidet sich als Sklave und taucht unter. Erst als sich zeigt, dass die Verschwörer niemanden anrühren und auf dem Kapitol sitzen bleiben, kommt er aus seinem Versteck. Er überredet sie herunterzukommen und lässt ihnen seinen eigenen Sohn als Pfand.

Währenddessen öffnet jemand das Testament. Caesar hat drei Viertel seines Vermögens Gaius Octavius vermacht, dem Enkel seiner Schwester. Den Rest sollen zwei andere Verwandte erhalten. Und ganz am Ende steht der Satz, der alles ändert: Caesar adoptiert Octavius und gibt ihm seinen Namen. So schreibt es Sueton.

Noch etwas steht in diesem Testament. Als Vormünder eines Sohnes, den Caesar vielleicht noch bekommen würde, nannte er einige seiner eigenen Mörder, und Decimus Brutus steht sogar unter den Erben zweiten Grades. Ein Mann, dem man Dolche in den Leib gestoßen hat, ging bis zuletzt davon aus, dass ihm diese Leute nahestehen könnten.

Das Begräbnis ist turbulent. Auf dem Marsfeld errichten sie einen Scheiterhaufen, auf der Rednertribüne einen vergoldeten Schrein mit dem Gewand, in dem Caesar starb. Nach Plutarch hält Antonius die Leichenrede, und als er sieht, wie die Menge unter seinen Worten schwankt, fügt er dem Lob Mitleid und Empörung hinzu (Antonius 14). Sueton schreibt nüchterner: Statt einer Rede ließ er Senatsbeschlüsse verlesen und fügte nur wenige eigene Worte hinzu. Gleich nach der Feier rennt das Volk mit brennenden Scheiten zu den Häusern von Brutus und Cassius. Die Angegriffenen wehren sie nur mit Mühe ab. Dabei erschlägt die Menge den Falschen: Helvius Cinna, den sie für einen anderen Cinna hielt, den Verfasser einer Anklagerede gegen Caesar (Sueton, Caesar 85).

Der Erbe ist achtzehn und nicht in Rom. Caesar hatte ihn zu Studien und Waffenübungen nach Apollonia an der Adria geschickt, weil er einen Feldzug gegen die Parther plante und ihn bald bei sich haben wollte. Der Junge weiß noch nicht, dass er schon einen neuen Namen trägt.

Sueton schreibt, der Junge habe lange geschwankt, ob er nicht die in der Nähe stehenden Legionen herbeirufen solle. Er hielt das für zu übereilt und kehrte allein nach Rom zurück. Mutter und Stiefvater, ein ehemaliger Konsul, baten ihn, das Erbe nicht anzutreten. Er tat es trotzdem. Er nahm den Namen Gaius Julius Caesar an, und die Historiker nennen ihn Octavian, um ihn nicht mit seinem Onkel zu verwechseln. Antonius verspottet ihn in Briefen und erinnert ihn an seinen früheren Beinamen Thurinus, und Octavian antwortet nur, es wundere ihn, dass jemand ihm seinen früheren Namen zum Vorwurf mache (Sueton, Augustus 7).

Das Erste, was ihn in Rom erwartet, ist eine Schuld. Nach Caesars Testament soll jeder Römer fünfundsiebzig Drachmen bekommen, doch Caesars Geld liegt bei Antonius. Calpurnia hat Antonius viertausend Talente und die Papiere ihres Mannes übergeben. Der Junge kommt, um das Seine zu holen. Was wird Antonius ihm antworten?

Antonius hält Octavian für einen Grünschnabel und behandelt ihn nach Belieben. Plutarch zählt auf, dass er Octavians Bewerbung um das Volkstribunat blockiert und ihm mit dem Gefängnis droht, weil dieser zu Ehren seines Vaters einen goldenen Sessel aufstellen wollte. Octavian sucht also Verbündete. Er verständigt sich mit Cicero, der Reden gegen Antonius schreibt, und sammelt Caesars Veteranen um sich.

Cicero und Caesars Erbe gegen Caesars Feldherrn. Das klingt wie eine Komödie, aber so funktioniert Roms Politik nach den Iden des März: Der Feind meines Feindes ist mein Freund, solange man ihn braucht.

In weniger als zwei Jahren werden Antonius und Octavian gemeinsam auf einer Insel mitten in einem Fluss sitzen und eine Liste der Männer aufstellen, die getötet werden müssen. Auf dieser Liste wird der Name des Mannes stehen, der sich gerade mit dem Jungen angefreundet hat.

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