Der Krieg gegen Kleopatra — Octavian, Antonius und Kleopatra: Krieg um die Welt
Octavian hat ein Problem: Die Römer haben genug von Bürgerkriegen. Nach Ansicht der Forscher muss dieser Krieg nach etwas anderem aussehen. Deshalb erklärt der Senat nicht Antonius den Krieg, sondern Kleopatra. Cassius Dio erklärt es so: Antonius wurde nicht genannt, weil man wusste, dass er sich ohnehin auf ihre Seite stellen würde. Dann wäre er es, dem Rom kein Unrecht getan hatte, der selbst mit Waffen gegen das Vaterland aufträte.
Er hat noch ein zweites Problem: Geld. Plutarch beschreibt, die Bürger hätten ein Viertel ihres Einkommens gezahlt und die Freigelassenen ein Achtel ihres Vermögens, in ganz Italien habe man lautes Klagen und Unruhen gehört. Octavian braucht einen Feind, den die Leute stärker hassen als die Steuern.
Den bekommt er in Gestalt des Testaments des Antonius. Sueton und Plutarch sind sich einig, dass Octavian es öffnen und verlesen ließ: nach Sueton vor dem Volk, nach Plutarch vor dem Senat. Nach Sueton vermachte Antonius darin sein Erbe seinen Kindern mit Kleopatra, und nach Plutarch sollte sein Leichnam über das Forum getragen und zu Kleopatra nach Ägypten geschickt werden (Dio fügt hinzu: in Alexandria an ihrer Seite bestattet). Vielen Senatoren missfiel es, dass man das Testament eines anderen zu dessen Lebzeiten verliest. Aber die Wirkung ist die, die man braucht.
Im Jahr 32 stimmt der Senat für den Krieg. Cassius Dio schreibt von einem Zug zum Tempel der Bellona, wo Octavian als Fetiale die alten Riten der Kriegserklärung vollzieht und die Senatoren Kriegsmäntel anlegen, als stünde der Feind vor den Toren. Plutarch fügt einen Vorwurf hinzu, den Octavian gegen Antonius erhob: Er sei berauscht und nicht Herr seiner selbst, und die Römer kämpften gegen den Eunuchen Mardion, gegen Potheinos, gegen Iras und Charmion, die Dienerinnen Kleopatras.
Aber vergiss nicht: Dieses Bild haben die Sieger hinterlassen. Und bevor die Schlacht beginnt, muss man die Schiffe zählen.
Die Zeichen stehen schlecht. Plutarch hält fest, die Stadt Pisaurum, die Antonius an der Adria gegründet hatte, sei von Erdspalten verschlungen worden, und aus seiner Marmorstatue bei Alba sei viele Tage lang Schweiß getropft. In Patras zerstörte ein Blitz den Tempel des Herakles, und in Athen warf der Wind eine Statue des Dionysos ins Theater.
Antonius hat fünfhundert Kriegsschiffe, hunderttausend Mann Fußvolk und zwölftausend Reiter, schreibt Plutarch. Er hat auch verbündete Könige. Aber auf den Schiffen fehlen Ruderer, also wirbt er Reisende, Maultiertreiber, Schnitter und Jungen an. Plutarch hält fest, viele Schiffe hätten sich nicht voll besetzen lassen.
Antonius zieht dennoch die Seeschlacht vor. Plutarch meint, er tue das, um Kleopatra zu gefallen, obwohl sein Landheer viel stärker ist. Im Lager des Antonius an der Bucht ist es eng, und Krankheiten greifen um sich. Octavian hält sich an der Küste, und die Flotte befehligt sein Freund Agrippa.
Cassius Dio schreibt, Antonius sei nach Actium geeilt, sobald er hörte, dass Octavian heranrücke. Zur Entscheidung kommt es jedoch nicht. Octavian stellt täglich sein Fußvolk vor dem Lager des Antonius auf und fährt mit seinen Schiffen heran, um Transporte abzufangen. Antonius will nicht alles auf eine Karte setzen. Er zögert, und die Zeit im Lager an der Bucht arbeitet für Octavian.
Der zweite September des Jahres 31 v. Chr. Alles auf diese eine Schlacht.
Was ist eigentlich geschehen? Plutarch sieht es so: Antonius folgt Kleopatra, steigt auf ihr Schiff um und sitzt, ohne sie zu sehen und ohne gesehen zu werden, allein am Bug, den Kopf in den Händen. Cassius Dio erklärt Kleopatras Abfahrt mit Ungeduld und Furcht. Doch ein Teil der Historiker sieht darin einen Plan, die Blockade zu durchbrechen und die Schatzkammer wegzubringen.
Eines wissen wir. Die Flotte des Antonius kämpfte noch lange ohne Feldherrn: Nach Plutarch fielen nicht mehr als fünftausend Mann, aber dreihundert Schiffe eroberte Octavian. Das Landheer konnte nicht glauben, dass der Feldherr geflohen war, und lief nach sieben Tagen zu Octavian über. Und wenn der Plan geglückt wäre?
Antonius und Kleopatra fliehen nach Ägypten. Octavian wird sie verfolgen.