Die Barke in Tarsos — Octavian, Antonius und Kleopatra: Krieg um die Welt
Tarsos in Kilikien, Jahr 41 v. Chr.
Tarsos in Kilikien, Jahr 41 v. Chr. Antonius lädt die Königin von Ägypten vor, damit sie sich dafür rechtfertigt, dass ihre Leute den Mördern Caesars geholfen haben. Er schickt immer wieder Briefe. Sie lacht darüber, wie Plutarch schreibt, und kommt erst, wenn sie will.
Die Barke hat ein vergoldetes Heck, purpurne Segel und silberne Ruder, und die Ruderer rudern im Takt von Flöten, Pfeifen und Lauten. Kleopatra liegt unter einem Baldachin und sieht aus wie Aphrodite. Einem solchen Auftritt kann man schwer widerstehen.
So beschreibt es Plutarch, der fast eineinhalb Jahrhunderte später schrieb. Appian erzählt es anders: Die Königin kommt auf die Vorladung hin und zählt, statt sich zu rechtfertigen, ihre Verdienste im Krieg gegen Caesars Mörder auf. Forscher wie Maarten Schmaal mahnen, solche Szenen vorsichtig zu lesen: Das Bild der verführerischen Kleopatra ist weitgehend ein Werk der Propaganda Octavians.
Forscher weisen darauf hin, dass es ein Bündnis mit praktischem Kalkül war: Kleopatra brauchte die Anerkennung ihres Königreichs, Antonius Schiffe, Getreide und Geld. Plutarch schreibt, Antonius fahre mit ihr nach Alexandria und vertue dort seine Zeit mit Vergnügungen. In Rom aber entfachen seine Frau Fulvia und sein Bruder Lucius einen Krieg gegen Octavian, und die Parther bereiten einen Einfall in Syrien vor. Erst zwei Nachrichten zugleich reißen ihn aus Alexandria heraus: Fulvia und Lucius haben verloren, und die Parther besetzen Asien.
Antonius kehrt nach Italien zurück. Die Aussöhnung mit Octavian wird durch eine Heirat besiegelt: Antonius heiratet Octavia, die Schwester Octavians. Fulvia ist schon tot. Es ist eine politische Verbindung, die halten soll, und doch dauert sie nur etwa acht Jahre.
Das Jahr 36 v. Chr. Antonius führt einen großen Feldzug gegen die Parther und beendet ihn mit einer Niederlage. Plutarch rechnet vor: Das Heer verlor zwanzigtausend Mann Fußvolk und viertausend Reiter, und mehr als die Hälfte starb an Krankheiten, nicht durch das Schwert. Siebenundzwanzig Tage marschierten sie von Phraata und gewannen achtzehn Schlachten, doch die Verfolgungen waren kurz und wirkungslos, und so brachten die Siege nichts Dauerhaftes. Plutarch gibt dafür Artavasdes die Schuld, dem König von Armenien, der zuvor seine eigene Reiterei abgezogen hatte.
Ein Jahr später will Octavia zu ihrem Mann segeln. Octavian erlaubt es ihr, wie die meisten Autoren behaupten, nicht aus Wohlwollen, sondern um einen Vorwand für den Krieg zu haben, falls man sie missachtete. In Athen erhält Octavia von Antonius einen Brief, sie solle dort warten. Kleopatra sieht in ihr eine echte Gefahr. Plutarch schreibt, sie habe gefürchtet, die Würde dieser Frau, die Macht ihres Bruders und ihre Freundlichkeit gegenüber Antonius würden Octavia unbesiegbar machen. Deshalb inszeniert sie Gefühle und Tränen, bis Antonius glaubt, er werde ohne sie sterben.
Im Jahr 34 kehrt Antonius nach Armenien zurück. Nach Cassius Dio lockt er König Artavasdes unter dem Vorwand der Freundschaft ins Lager, nimmt ihn fest und besetzt das Land, teils durch Verträge, teils mit Gewalt. Seinen Sohn verlobt er mit der Tochter des Königs von Medien, um einen Verbündeten zu gewinnen. Den Gefangenen führt er mit seiner Familie in Ketten nach Alexandria und veranstaltet dort eine Art Triumph. Plutarch fügt hinzu, die Römer nähmen ihm übel, dass er römische Bräuche um Kleopatras willen den Ägyptern überlassen habe (Antonius 50; Dio 49.40).
Dann tut er etwas, das seinen Feinden den größten Vorwand liefert. In Alexandria versammelt er das Volk im Gymnasion und setzt sich und die Königin auf goldene Throne. Plutarch hält fest, die Leidenschaft für Kleopatra sei schon früher in ihm neu entflammt, als er sich Syrien näherte, und er habe sie damals mit Phönizien, Koilesyrien, Zypern und einem Teil Kilikiens beschenkt. Jetzt wird Kleopatra zusammen mit Caesarion zur Königin von Ägypten, Zypern, Libyen und Koilesyrien erklärt, und die Söhne des Antonius von ihr erhalten den Titel König der Könige und Länder von Armenien bis Phönizien, auch Parthien, das noch gar nicht erobert ist. So schildern es Plutarch und Cassius Dio, die sich in Einzelheiten unterscheiden.
In Rom sieht das aus, als verteile er fremdes Land und beleidige Rom. Antonius wird Neuer Dionysos genannt und lebt nach östlicher Sitte. Octavia, der Octavian befohlen hat, in ihr eigenes Haus zurückzukehren, bleibt dennoch bei ihrem Mann, zieht seine Kinder auf, auch die aus der Ehe mit Fulvia, und bittet ihren Bruder, ihretwegen keinen Bürgerkrieg zu beginnen: Das wäre eine Schande für beide Feldherren (Plutarch, Antonius 54). Im Jahr 32 schickt Antonius Leute nach Rom, die sie aus seinem Haus werfen sollen. Octavia geht und nimmt die Kinder mit, und sie weint, dass man auch sie für eine der Ursachen des Krieges halten werde (Antonius 57).
Octavian hat alles, was er für den Krieg braucht. Nur nichts, was ihn rechtfertigen würde. Er braucht eine Geschichte, in der Antonius nicht sein Rivale ist, sondern ein Verräter Roms. Er wird sie in Form eines Testaments in die Hand bekommen.