Die Würfel — Caesar III: Die Iden des März

In Rom reißt unterdessen das Band, das die Welt zusammenhielt. Im Jahr 54 stirbt Julia, Caesars Tochter und Frau des Pompeius, bei der Geburt im Haus ihres Mannes. Das Kind überlebt sie nur um wenige Tage. Plutarch hält fest, alle hätten verstanden, was das bedeutete: Nur sie habe die Eintracht zwischen den beiden Männern gewahrt. Das Volk bestattete sie auf dem Marsfeld, gegen den Widerstand der Tribunen.

Im Jahr 53 fällt Crassus, der Dritte des Triumvirats, bei einem Feldzug gegen die Parther. Von den drei Köpfen des Ungeheuers bleiben zwei, und keiner teilt gern den Tisch. Rom versinkt im Chaos. Kandidaten stellen Tische mit Geld auf und kaufen offen Stimmen. Plutarch schreibt, auf dem Forum werde mit Bögen, Schwertern und Schleudern gekämpft, und die Rednertribüne sei blutverschmiert. Vernünftige Leute sagen immer lauter, nur ein einziger Herrscher könne das heilen. Alle blicken auf Pompeius, und im Jahr 52 macht der Senat ihn zum alleinigen Konsul.

Caesar will eines: aus Gallien zurückkehren und sofort ein zweites Konsulat übernehmen, um nicht als Privatmann vor Gericht zu stehen. Seine Gegner verlangen, dass er die Provinz vorzeitig abgibt.

Caesar antwortet mit einem Angebot, das ehrlich klingt. Beide sollen die Waffen niederlegen, er und Pompeius, und als Privatbürger dastehen. Wer das ablehnt, beschuldigt den einen des Strebens nach der Tyrannis und macht den anderen zum Tyrannen. Der Tribun Curio verliest es dem Volk, und die Leute überschütten ihn mit Blumen wie einen siegreichen Athleten.

Im Senat stimmen fast alle für die Entwaffnung beider Feldherren. Da ruft der Konsul Lentulus, gegen einen Räuber brauche man Waffen, keine Abstimmung, und die Sitzung zerfällt. Antonius und Curio, die mit Caesar befreundeten Tribunen, werden aus dem Senat gejagt. Sie fliehen aus Rom in Sklavenkleidern auf gemieteten Wagen. Caesar wird den Soldaten dieses Bild zeigen: So behandelt man Männer im Amt. Einer seiner Zenturionen schlägt, nachdem er vor dem Senat gehört hat, Caesar bekomme keine Verlängerung seiner Macht, auf den Schwertgriff und sagt: Der hier wird sie ihm geben.

Warum gab Caesar nicht nach? Sueton sammelt drei Vermutungen. Nach der ersten behauptete Pompeius, Caesar brauche Verwirrung, weil er nicht genug Geld für seine Pläne habe. Nach der zweiten fürchtete Caesar einen Prozess, weil Cato angekündigt hatte, ihn anzuklagen, sobald er das Heer entlassen habe. Nach der dritten liebte er die Macht einfach von Jugend an. Sueton hält die mittlere für die wahrscheinlichste.

In Ravenna, direkt an der Grenze seiner Provinz, wartet Caesar auf Nachrichten. Als die Meldung eintrifft, das Veto der Tribunen sei gebrochen worden und sie selbst aus der Stadt geflohen, handelt er still und schnell. Einige Zenturionen, nur mit Schwertern, sollen die erste Stadt Italiens besetzen, Ariminum. Caesar folgt ihnen am Abend.

Was genau sagte er am Fluss? Das hängt davon ab, wen du fragst. Bei Plutarch fällt auf Griechisch der Satz „Der Würfel sei geworfen“, mit dem man zu enden pflegte, wenn man vor einem Wagnis zögerte. Bei Sueton lateinisch „iacta alea est“, dazu eine wundersame Szene: Plötzlich erscheint ein riesiger, schöner Mann, der Flöte spielt, einem Soldaten die Trompete entreißt und blasend ins Wasser geht. Bei Appian steht Caesar am Fluss und sagt: Ihn nicht zu überschreiten, ist ein Unglück für mich, ihn zu überschreiten, ein Unglück für alle Menschen. Der Forscher T. P. Wiseman liest Suetons Szene wie ein Stück Theater, nicht wie eine Reportage. Sicher ist nur eines: Er ging hinüber.

Es ist Januar 49. Der Rubikon ist ein Flüsschen. Für die Römer aber ist er eine Grenze, heiliger als eine Mauer. Caesar, bis dahin Statthalter mit dem Recht auf ein Heer, ist von diesem Augenblick an ein Feind des Staates. Im Morgengrauen gehört Ariminum ihm. Italien erfährt es von Flüchtlingen, die, wie Appian schreibt, nichts Sicheres wissen und sich deshalb vorstellen, Caesar rücke mit einem riesigen Heer heran. Er hat fünftausend Mann.

Verwandte Themen

Orte

Personen

In der App lernen