Ich glaube, ich werde ein Gott — Vespasian: Geld stinkt nicht
Zehn Jahre lang verschwört man sich immer wieder gegen ihn. Vespasian sagt dem Senat ruhig: Entweder kommen nach mir meine Söhne, oder niemand. Dio stellt diesen Satz in einen schlimmeren Augenblick, als die Tribunen Helvidius verhaften und der Kaiser mit Tränen in den Augen die Kurie verlässt. Sueton fügt einen Traum hinzu: Mitten im Palast steht eine Waage, auf der einen Schale Claudius mit Nero, auf der anderen Vespasian mit seinen Söhnen. Die Schalen halten sich die Waage. Der Traum erfüllte sich: Beide Häuser regierten gleich viele Jahre.
Im Jahr 79 packt ihn in Kampanien eine leichte Krankheit. Er kehrt nach Rom zurück und fährt dann, wie jeden Sommer, nach Aquae Cutiliae im Land der Sabiner, nicht weit von seinem Geburtsort. Er trinkt dort das kalte Wasser, und die Krankheit verschlimmert sich. Gesandtschaften empfängt er im Bett liegend. Die Ärzte tadeln ihn, dass er arbeitet. Er antwortet, ein Kaiser müsse stehend sterben.
Am Himmel erscheint ein Komet. Das Mausoleum des Augustus öffnet sich von selbst. Der Kaiser scherzt: Das Mausoleum sei Sache der Iunia Calvina aus dem Geschlecht des Augustus, und der Komet kündige dem König der Parther etwas an. Der hat langes Haar, ich bin kahl.
Der letzte Anfall kommt plötzlich. Der Kaiser wird beinahe ohnmächtig. Er versucht aufzustehen und stirbt in den Armen der Männer, die ihn stützen. Es ist der 23. Juni 79. Er ist neunundsechzig Jahre, sieben Monate und sieben Tage alt und hat zehn Jahre regiert, bis auf wenige Tage. Ihn tötete das Fieber. Das Gerücht, Titus habe ihn vergiftet, das sogar Kaiser Hadrian wiederholte, hält Dio für Verleumdung.
Selbst bei der Beerdigung hat er einen Scherz, wenn auch nicht seinen eigenen. Nach dem Brauch geht hinter dem Sarg ein Mime in der Maske des Toten und ahmt ihn nach. Der Mime Favor fragt die Beamten laut, was die Bestattung koste. „Zehn Millionen Sesterzen.“ „Gebt mir hunderttausend und werft mich meinetwegen in den Tiber.“
Wie war er? Der unscheinbarste und wirksamste Kaiser seit Augustus. Er baute eine Ordnung aus Geld, Arbeit und Scherzen, und auch auf den Trümmern Jerusalems. Tacitus beurteilt ihn in zwei Sätzen. Abgesehen von der Habgier kam er den Feldherren der Vorzeit gleich. Und als einziger der Kaiser vor ihm veränderte er sich durch die Macht zum Besseren. Er ist auch der erste Kaiser, auf den sein leiblicher Sohn auf dem Thron folgt.
In der nächsten Folge: Titus besteigt den Thron: Eroberer Jerusalems, Befehlshaber der Garde, Geliebter einer jüdischen Königin. Rom fürchtet, einen zweiten Nero zu bekommen. Vor ihm liegen zwei Jahre und zwei Monate. Und ein Berg am Golf von Neapel, den niemand für gefährlich hält.