Schläfst du, Brutus? — Caesar III: Die Iden des März

Die Ehrungen schwellen an wie eine Lawine. Im Februar 44 macht der Senat Caesar zum Diktator auf Lebenszeit. Er bekommt einen goldenen Stuhl, eine Statue unter den Königen, Tempel, einen eigenen Priester und einen nach ihm benannten Monat. Sueton schreibt, deshalb hätten viele gemeint, er habe seine Macht missbraucht und sei zu Recht gestorben.

Und dann kommen die Gesten. Als die Senatoren vollzählig mit Beschlüssen zu ihm kommen, empfängt er sie sitzend, vor dem Tempel der Venus Genetrix. Die Quellen sind sich nicht einig, warum. Plutarch schreibt, Caesar habe sich mit Krankheit entschuldigt, in Wirklichkeit aber aufstehen wollen, doch Balbus habe ihn mit den Worten zurückgehalten: Denk daran, dass du Caesar bist. Dio nennt die Version mit einem Magenleiden. Der Senat sieht nur eines: Der Diktator steht vor dem Senat nicht auf.

Dann kommt das Fest der Lupercalien. Antonius, der Konsul ist, läuft als Priester des Festes über das Forum, springt auf die Rednertribüne und reicht dem auf dem goldenen Stuhl sitzenden Caesar ein mit Lorbeer umwundenes Diadem. Es erklingt Beifall, schwach und abgesprochen, schreibt Plutarch. Caesar schiebt das Diadem weg, und da klatscht die ganze Menge. Antonius reicht es noch einmal, nur wenige klatschen. Caesar lehnt ein zweites Mal ab, und der Beifall wächst wieder.

Zur selben Zeit legt jemand auf Caesars Statue einen Lorbeerkranz mit einer weißen Binde, dem Zeichen der Könige. Zwei Tribunen nehmen ihn ab und lassen jene verhaften, die „König“ gerufen hatten. Die Menge nennt sie Brutusse. Caesar entzieht ihnen das Amt. Und der Menge, die ihn als König begrüßt, antwortet er: „Ich bin Caesar, kein König.“

Marcus Brutus hat in dieser Sache ein größeres Problem als die anderen. Er stammt, wie die Römer glauben, von jenem ersten Brutus ab, der die Könige vertrieb. Er kämpfte bei Pharsalos gegen Caesar, doch Caesar schenkte ihm das Leben und überhäufte ihn mit Ehren: die Prätur jetzt, das Konsulat in drei Jahren. Die Leute flüstern, er sei Caesars Sohn, denn Caesar liebte seine Mutter Servilia. Appian schreibt nur, man habe es angenommen. Es ist ein Gerücht, das sich nicht überprüfen lässt.

Caesar vertraut ihm. Als ihn jemand vor Brutus warnt, berührt er seinen eigenen Körper und sagt: Brutus wird auf diese welke Haut warten. Andere fürchtet er. Über Cassius sagt er: Ich mag ihn nicht, er ist zu blass. Und über Antonius und Dolabella: Ich fürchte nicht die Dicken und Langhaarigen, sondern die Bleichen und Hageren.

Nacht für Nacht hinterlässt jemand Aufschriften auf dem Stuhl des Prätors Brutus und unter der Statue seines Vorfahren. Schläfst du, Brutus? Du bist kein Brutus! Lebte doch der Erste noch! Cassius, der noch eigene Rechnungen mit Caesar offen hat, drängt. Nach Appian fragt er Brutus: Wer vom Adel wird dir nicht folgen? Glaubst du, diese Aufschriften hätten Handwerker hinterlassen? Von den anderen Prätoren verlangen sie Spiele. Von dir Freiheit.

Anfangs handeln die Verschwörer in Grüppchen zu zweit oder zu dritt. Dann vereinen sie ihre Kräfte, und es sind mehr als sechzig. An der Spitze stehen Brutus, Cassius und Decimus Brutus, ein Freund Caesars, der in dessen Testament als Erbe zweiten Grades genannt ist. Einige wollten auch Antonius töten. Brutus widerspricht: Sie töten einen König, nicht seine Freunde.

Sie erwägen verschiedene Orte: die Brücke während der Wahlen, die Heilige Straße, den Eingang zum Theater. Am Ende entscheidet die Zeit. Caesar bricht in wenigen Tagen zum Krieg gegen die Parther auf, und dann wird er von Soldaten umgeben sein. Außerdem geht das Gerücht um, die Sibyllinischen Bücher sagten, die Parther besiege nur ein König, und der Senat werde Caesar außerhalb Italiens zum König ausrufen. Die Verschwörer wollen weder dafür stimmen noch zusehen. Sie wählen die Senatssitzung an den Iden des März, dem 15. März, in dem Saal beim Pompeiustheater.

Sueton kennt eine ganze Liste von Zeichen, die den Tod ankündigten. Die Pferde, die Caesar dem Fluss Rubikon geweiht hatte, verweigern das Futter und weinen. Der Seher Spurinna warnt, die Gefahr werde nicht vor den Iden des März vorübergehen. Antike Autoren liebten solche Vorzeichen, und fast jeder große Tod hat sie bei ihnen. Forscher lesen sie als literarische Gewohnheit, nicht als Reportage.

Am Vorabend der Iden speist Caesar bei Lepidus und unterschreibt Briefe, zu Tisch liegend. Jemand fragt, welcher Tod der beste sei. Bevor irgendwer antwortet, sagt Caesar: der unerwartete.

In der Nacht öffnen sich Fenster und Türen des Schlafzimmers zugleich. Calpurnia stöhnt im Schlaf und spricht undeutliche Worte. Ihr träumte, schreibt Plutarch, sie halte ihren ermordeten Mann in den Armen. Nach einer anderen Version, die Plutarch nach Livius anführt, träumte ihr, der Giebel ihres Hauses sei eingestürzt. Am Morgen fleht sie Caesar an, zu bleiben. Die Seher sagen nach vielen Opfern, die Zeichen seien schlecht. Caesar beschließt, Antonius zu schicken, damit er die Sitzung auflöse.

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