Der Dummkopf der Familie — Claudius: hinter dem Vorhang gefunden, mit Pilzen vergiftet?

Claudius wurde am 1. August 10 v. Chr. in Lugdunum, dem heutigen Lyon, geboren, an dem Tag, an dem dort der Altar des Augustus eingeweiht wurde (Sueton, Claudius 2). Sein Vater Drusus starb, als der Junge ein Säugling war. Der ältere Bruder Germanicus wuchs zum Helden der Legionen heran. Claudius wurde zum Sorgenkind.

Den größten Teil seiner Kindheit und Jugend ist er krank. Sueton schreibt, von diesen langwierigen Leiden seien sein Verstand und sein Körper abgestumpft. Auch als er erwachsen wird, traut man ihm keine Aufgaben zu, weder öffentliche noch private. Lange hat er einen Aufseher, von dem er selbst schrieb, er sei ein Ausländer und ehemaliger Vorsteher der Maultiertreiber gewesen. Er bekam ihn, damit er den Jungen bei jeder Kleinigkeit mit voller Strenge bestrafte (Claudius 2).

Die Familie hat kein Mitleid mit ihm. Seine Mutter Antonia nennt ihn ein Ungeheuer, das die Natur nur begonnen und nicht vollendet habe. Wenn sie jemanden wegen Dummheit rügen will, sagt sie, er sei dümmer als ihr Sohn Claudius. Die Großmutter Livia, die Frau des Augustus, spricht kaum mit ihm. Sie ermahnt ihn in kurzen, scharfen Briefen oder durch Boten. Die Schwester Livilla betet laut, als sie hört, dass er einmal Kaiser werden soll, den Römern möge ein so grausames Los erspart bleiben (Claudius 3).

Augustus schreibt über ihn an Livia ehrlicher als der Rest der Familie. Er sorgt sich, dass der Junge Mängel am Körper und am Geist hat und das Publikum, das gern spottet, ihn und sie lächerlich machen wird. Deshalb will er ihn nicht auf den Ehrenplätzen im Zirkus zeigen. In einem anderen Brief fügt er jedoch etwas Seltsames hinzu. Der Arme habe Pech, denn wenn sein Verstand nicht abschweife, zeige sich in wichtigen Dingen ein edler Charakter (Claudius 4).

Als Augustus stirbt, hinterlässt er Claudius nur das Amt eines Augurs. Im Testament nennt er ihn erst an dritter Stelle, mit einem Sechstel des Vermögens, unter beinahe Fremden. Er vermacht ihm nicht mehr als achthunderttausend Sesterzen (Claudius 4).

Die Familie hält ihn für einen Dummkopf. Aber was denkt er selbst darüber? Claudius behauptet später im Senat, er habe einen Teil der Dummheit gespielt, um unter Caligula zu überleben. Dio bestätigt, dass er das sagte (60.2). Niemand glaubt es ihm jedoch. Sueton schreibt, bald erscheine ein Buch „Die Erhebung der Dummköpfe“, das beweise, dass niemand Dummheit vortäuscht (Claudius 38).

Als Tiberius Kaiser wird, gibt er seinem Neffen aus Höflichkeit die Insignien eines Konsuls. Claudius will jedoch ein richtiges Amt und bittet beharrlich darum. Der Kaiser antwortet mit einer kurzen Notiz. Rate, was darin steht.

Nicht alle verachten Claudius. Die Ritter wählen ihn zweimal zu ihrem Vertreter und erheben sich, wenn er bei Aufführungen erscheint (Sueton, Claudius 6). Der Senat beschließt, das Haus, das ihm abgebrannt ist, auf öffentliche Kosten wieder aufzubauen und dass er unter den ehemaligen Konsuln seine Meinung äußern dürfe. Den zweiten Beschluss hebt Tiberius mit Verweis auf die Schwäche des Claudius auf.

Erst Caligula, der zu Beginn seiner Herrschaft Popularität sucht, holt den Onkel aus dem Schatten. Er macht ihn für zwei Monate zu seinem Mitkonsul. Als Claudius zum ersten Mal mit Liktoren auf das Forum kommt, setzt sich ein über ihn hinwegfliegender Adler auf seine Schulter (Claudius 7). Dann beginnt das Schlimmere.

Bei den Gastmählern kennen Caligula und seine Possenreißer kein Erbarmen. Wenn Claudius zu spät kommt, muss er den ganzen Saal umrunden, bevor er einen Platz findet. Wenn er nach dem Essen einschläft, bewerfen sie ihn mit Oliven- und Dattelkernen. Sie wecken ihn mit der Peitsche. Sie legen ihm Pantoffeln auf die Hände, damit er sich beim Aufwachen das Gesicht damit abwischt (Claudius 8).

Das waren Scherze. Es gab auch echte Gefahren. Einmal enthebt Caligula ihn beinahe des Amtes, weil er die Standbilder der Brüder des Kaisers zu langsam in Auftrag gegeben hat. Als Claudius nach der Aufdeckung einer Verschwörung als Gesandter zu ihm nach Germanien reist, gerät der Kaiser in solche Wut, dass er den Onkel, wie laut Sueton manche behaupten, samt Kleidern in den Fluss werfen ließ. Das ist nur ein Gerücht. Als Tatsache gibt Sueton dagegen an: Claudius muss acht Millionen Sesterzen für ein neues Priesteramt zahlen, und deshalb wird sein Vermögen versteigert (Claudius 9).

So sieht das Leben eines Mannes aus, dem die Familie keine Rolle gegeben hat. Jetzt hat er Legionen unter sich. Wie regiert er?

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