Welch ein Künstler stirbt mit mir — Nero: Künstler auf dem Thron, Rom in Flammen

März 68, Neapel. Nero sieht Athletenwettkämpfen zu, als die Nachricht kommt: In Gallien hat sich der Statthalter Julius Vindex erhoben. Es ist der Tag, an dem sich der Tod Agrippinas zum neunten Mal jährt. Sueton hält fest, der Kaiser nehme die Nachricht mit solcher Gleichgültigkeit auf, dass man Freude vermute: Er werde einen Vorwand haben, eine reiche Provinz zu plündern. Acht Tage lang antwortet er niemandem auch nur mit einem Wort.

Zur Reaktion zwingt ihn schließlich nicht der Aufstand, sondern eine Beleidigung. Vindex verkündet in Edikten, Nero sei ein schlechter Kitharaspieler, und nennt ihn Ahenobarbus statt Nero. Darüber empört sich der Kaiser mehr als über den Verrat: Er fragt einen nach dem anderen, ob sie einen besseren Künstler kennen.

Dann erhebt sich Galba, der Statthalter von Hispanien. Nero fällt in Ohnmacht und liegt lange wortlos da. Als er wieder zu sich kommt, zerreißt er seine Kleider und schreit, alles sei vorbei: Als erster Kaiser werde er die Macht zu Lebzeiten verlieren. Seine alte Amme tröstet ihn, anderen Herrschern sei dasselbe widerfahren. Es hilft nichts. Dio hält fest, dass er, als er von Galba erfährt, plant, die Senatoren zu töten, die Stadt niederzubrennen und nach Alexandria zu fliehen.

Doch nicht die Aufstände entscheiden über sein Schicksal. Nach Dio nimmt der Senat ihm die Wache und erklärt ihn zum Staatsfeind. Nero hat keine Legionen mehr. Er hat noch einen Abend.

In der Nacht wacht er auf und sieht, dass die Palastwache fort ist. Er läuft zu den Zimmern seiner Freunde und klopft. Niemand antwortet. Er kehrt in sein Schlafgemach zurück, und sogar die Dienerschaft ist verschwunden und hat das Bettzeug mitgenommen. Er ruft den Gladiator Spiculus, irgendjemanden, der ihm helfen könnte, würdig abzutreten. Niemand kommt. „Habe ich also weder Freund noch Feind?“, ruft er und stürzt aus dem Palast.

Der Freigelassene Phaon bietet ihm eine Villa vor der Stadt an. Nero steigt barfuß in der Tunika aufs Pferd und verhüllt den Kopf mit einem Mantel. Unterwegs hört er die Rufe der Soldaten aus dem Lager, die ihm den Untergang und Galba den Sieg wünschen. Passanten sagen: Man jagt Nero. Dio fügt hinzu, auf der Flucht bebe die Erde, als erhöben sich alle Geister der Getöteten zum Angriff.

In der Villa des Phaon will er nicht in die Grube hinabsteigen, aus der man Sand gewonnen hat: „Ich gehe nicht lebend unter die Erde.“ Er trinkt Wasser aus einer Pfütze und sagt: „Das ist Neros destilliertes Wasser.“ Seine Freunde drängen ihn, sich der Schande zu entziehen. Er lässt ein Grab nach seinem Maß graben, Wasser und Holz herbeischaffen. Er weint und wiederholt einen einzigen Satz. Da kommt ein Brief: Der Senat habe ihn zum Staatsfeind erklärt und suche ihn, um ihn nach alter Sitte zu bestrafen. Als er erfährt, welche Strafe ihn erwartet, nimmt er sich das Leben. Sein Sekretär Epaphroditus hilft ihm.

Es ist der 9. Juni 68. Nero ist dreißig Jahre alt. Er herrschte dreizehn Jahre und acht Monate. Den Satz „Welch ein Künstler stirbt mit mir!“ kennen wir in zwei Fassungen. Bei Sueton wiederholt er ihn weinend, während das Grab ausgehoben wird, und das Letzte, was er sagt, ist „Zu spät“ und „Das ist Treue“. Bei Dio spricht er ihn kurz vor dem Ende aus. Was wissen wir wirklich?

In Rom setzen die Menschen Freiheitsmützen auf und bringen Opfer dar. Der Senat überträgt Galba die kaiserliche Gewalt. Dio hält fest, dass Nero der letzte der Nachkommen des Aeneas und des Augustus war und dass es gleich nach seinem Tod niemanden gab, der nicht hoffen konnte, die Macht zu ergreifen. Dieser Satz eröffnet das nächste Kapitel der Geschichte.

Es begann mit Augustus, der den Staat zurückgab, um ihn zu behalten. Es endete mit einem Künstler, der alles hergab, um zu spielen. Von Actium bis zur Villa des Phaon vergingen fast hundert Jahre, und das Geschlecht der Caesaren ist nicht mehr. Das Jahr 69 wird als das Vierkaiserjahr in die Geschichte eingehen. Der erste von ihnen trägt bereits den Purpur: Galba. Der zweite wird ein Mann sein, den du kennst. Dio schreibt, Marcus Salvius Otho habe einst zu Nero gesagt, in der Zeit ihrer gemeinsamen Vergnügungen: „So gewiss, wie du mich als Caesar sehen wirst!“ Nero erwiderte: „Nicht einmal als Konsul werde ich dich sehen.“ Caesar wurde Otho, aber erst einige Monate nach Neros Tod.

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