Der fünfzehnte Januar — Das Jahr 69 I: Soldaten kauft man nicht

Otho sagt es geradeheraus: Er werde sich nicht auf den Beinen halten, wenn er nicht Kaiser werde. Gleichgültig, ob er in der Schlacht durch die Hand des Feindes fällt oder auf dem Forum durch die seiner Gläubiger.

Das ganze Kapital für den Umsturz beträgt eine Million Sesterzen. Wenige Tage zuvor, schreibt Sueton, hatte Otho sie einem Sklaven des Kaisers abgepresst, dafür, dass er ihm eine Verwalterstelle verschafft hatte. Die Sache vertraut er fünf Soldaten der Leibwache an, und jeder von ihnen sucht zwei weitere aus. Sie erhalten je zehntausend sofort und das Versprechen von fünfzigtausend.

Am Morgen des 15. Januar bringt Galba vor dem Apollotempel auf dem Palatin ein Opfer dar. Der Haruspex Umbricius betrachtet die Eingeweide und warnt: Verrat, ein Feind im Haus. Otho steht dicht daneben. Er hört alles und deutet das Zeichen zu seinen Gunsten.

Der Freigelassene Onomastus tritt zu ihm und spricht die verabredeten Worte: „Der Architekt und die Bauleute warten.“ Otho erklärt seiner Umgebung, er besichtige ein altes Haus, das zum Verkauf steht. Er geht durch den Palast des Tiberius hinaus zum Velabrum und geht zum goldenen Meilenstein beim Saturntempel. Dort warten dreiundzwanzig Soldaten.

Sie rufen ihn zum Kaiser aus. Otho zittert, als er sieht, wie wenige es sind. Sie setzen ihn in eine Sänfte, ziehen die Schwerter und laufen los. Sueton erzählt es auf seine Weise: Die Sänfte ist geschlossen, eine Frauensänfte, die Träger erlahmen, Otho steigt aus und läuft, sein Schuh geht auf. Da nehmen die Soldaten ihn auf die Schultern.

Den Rest des Morgens kennst du schon. Das Gerücht von Othos Tod haben – wie viele meinten – seine Leute in die Welt gesetzt, um den Kaiser aus dem Palast zu locken. Inzwischen stellen die Soldaten im Lager Otho auf den Sockel, auf dem noch vor Kurzem eine vergoldete Statue Galbas stand. Otho streckt die Hände aus, verneigt sich und wirft der Menge Kusshände zu. Er spielt den Sklaven, um Herr zu werden.

Galbas Sänfte schwankt im Gedränge auf dem Forum. Tempel und Säulenhallen sind voller Menschen. Niemand schreit. Es herrscht die Stille großer Angst und großen Zorns.

Da stürmt die Reiterei aufs Forum. Der Fahnenträger der Kohorte, die den Kaiser eskortiert, reißt dessen Bild von der Stange und wirft es zu Boden. Das ist das Zeichen für alle Soldaten. Die Menge flieht.

Am Lacus Curtius werfen die entsetzten Träger die Sänfte um. Der Greis stürzt auf das Pflaster.

Den Streit um seine letzten Worte beendet ein Satz, der mehr schmerzt als jede Version: Den Mördern war gleichgültig, was er sagte. Galba stirbt dort, mitten auf dem Forum. Der Mörder war angeblich Camurius von der fünfzehnten Legion, aber sicher weiß es niemand.

Sicher ist dagegen der Name eines Mannes, der nicht zurückwich. Der Zenturio Sempronius Densus. Dio schreibt, er habe den Kaiser verteidigt, solange er konnte, und sei an dessen Seite gefallen. Bei Tacitus liest es sich anders: Densus verstellte den Mördern Pisos den Weg und verschaffte ihm einen Augenblick zur Flucht. Piso rettet sich in den Vestatempel. Man zerrt ihn von dort heraus. Die Adoption brachte ihm nur so viel, dass er vor seinem älteren Bruder starb. Beim Tempel des Göttlichen Julius stirbt auch Vinius.

Am Abend verleiht der Senat Otho die tribunizische Gewalt, den Namen Augustus und alle kaiserlichen Ehren. Senatoren, die sich am Morgen über das Gerücht von seinem Tod freuten, überbieten sich jetzt in Schmeicheleien. Galbas Alter beziffert Dio auf zweiundsiebzig Jahre und dreiundzwanzig Tage und seine Herrschaft, von Hispanien an gerechnet, auf neun Monate und dreizehn Tage. Tacitus gibt ihm dreiundsiebzig Jahre und ein Epitaph, das für immer geblieben ist.

Rom hat einen neuen Kaiser. Am Rhein gibt es seit zwei Wochen einen anderen.

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