Die Brücke aus Schiffen — Caligula: das Pferd im Senat
Tiberius sparte und hinterließ daher eine volle Schatzkammer. Gaius leert sie schneller, als irgendjemand ahnen konnte. Das Geld geht für Spiele, Schauspieler, Wagenlenker, Gladiatoren und Pferde drauf, schreibt Dio. So sieht die Rechnung aus.
Und doch denkt sich der Kaiser gerade dann ein Schauspiel aus, das Rom nicht vergessen wird.
Warum tat er das? Sueton kennt drei Antworten. Die erste: Er wollte es Xerxes gleichtun, der eine Brücke über den viel schmaleren Hellespont gebaut hatte. Die zweite: Er wollte Germanien und Britannien mit der Kunde von etwas Übermenschlichem erschrecken. Die dritte hörte er als Junge von seinem Großvater, der sie von Höflingen kannte. Der Astrologe Thrasyllus hatte Tiberius einmal gesagt, Gaius habe ebenso geringe Aussichten auf die Macht wie darauf, mit dem Pferd durch die Bucht von Baiae zu reiten. Die Brücke sollte also eine Antwort auf die Weissagung sein.
Der Preis für die Schau ist hoch. Es fehlt an Schiffen, also baute man einen Teil vor Ort, und den Rest brachte man aus vielen Häfen zusammen. Dio bringt das mit einer schweren Hungersnot in Italien und Rom in Verbindung. Nachts, im Schein der Feuer, wirft der betrunkene Kaiser einen Teil der Gäste ins Wasser. Die meisten retten sich trotz ihres Rausches, denn das Meer ist ungewöhnlich glatt.
Als das Geld zur Neige geht, wird der Kaiser erfinderisch. Bald zieht der Kaiser aus Rom nach Norden, offiziell gegen die Germanen, nach Dio in Wirklichkeit auf der Suche nach den Reichtümern Galliens und Hispaniens. Er nimmt Schauspieler, Gladiatoren, Pferde und Frauen mit.
In Lugdunum, dem heutigen Lyon, veranstaltet er Spiele und einen Rednerwettbewerb auf Griechisch und Latein. Die Unterlegenen müssen, wie Sueton schreibt, den Siegern die Preise überreichen und Lobreden auf sie verfassen, und die Schwächsten sollen ihre Schriften mit einem Schwamm oder der Zunge auslöschen, es sei denn, sie ziehen Prügel oder ein Bad im Fluss vor.
Er verkauft auch Palastmöbel und Familienandenken, und Dio hält fest, wie er sie anpreist: Das gehörte meinem Vater, das meiner Mutter, das meinem Großvater, und dieser ägyptische Gegenstand gehörte Antonius und wurde Beute des Augustus. Man kauft also Ruhm zusammen mit dem Gegenstand. Sueton beschreibt eine Auktion, bei der der Kaiser selbst die Preise hochtreibt. Auf einer Bank schläft dort ein Mann im Rang eines Prätors, Aponius Saturninus, und nickt im Schlaf.
Geld ist das eine, Angst das andere. Der Kaiser schlägt eine Verschwörung nieder: Es sterben Lentulus Gaetulicus, seit zehn Jahren Befehlshaber in Germanien, bei den Soldaten beliebt, und Lepidus, der frühere Liebling des Kaisers. Die Schwestern, Agrippina die Jüngere und Julia, verbannt Caligula auf Inseln, und drei Dolche weiht er dem Mars Ultor. Agrippina muss die Urne mit der Asche des Lepidus nach Rom tragen. Dieselbe Agrippina wird aus der Verbannung zurückkehren, und von ihr hörst du in den nächsten Folgen noch.
Zum Kaiser kommt auch eine Gesandtschaft des Senats, und unter den Gesandten ist sein Onkel Claudius. Nach Dio hätte Caligula ihn getötet, hätte er ihn nicht verachtet: Claudius wirkte, teils von Natur aus, teils mit Absicht, wie ein großer Dummkopf. Merk dir diesen Satz.
Am Ufer des Ozeans, gegenüber Britannien, stehen die Legionen in Schlachtordnung. Der Kaiser besteigt eine Triere, fährt ein Stück hinaus und kehrt zurück. Er setzt sich auf eine Erhöhung und gibt das Signal zur Schlacht. Niemand weiß, was geschehen wird. Da lässt er Muscheln in die Helme und in die Falten der Togen sammeln. „Beute vom Ozean, dem Kapitol und dem Palatin geschuldet“, sagt er. Er lässt auch einen hohen Turm bauen, auf dem nachts Lichter brennen sollen wie auf dem Pharos. Die Soldaten bekommen je hundert Denare, und er ruft: Geht glücklich, geht reich. Die Muscheln beschreiben Sueton und Dio, mit kleinen Unterschieden; den Turm und die hundert Denare kennt nur Sueton.
Was steckt dahinter? Winterling sieht darin eine Demütigung der Soldaten, die seiner Ansicht nach Feigheit gezeigt hatten. Fagan verbindet den Feldzug mit der Aufdeckung der Verschwörung des Gaetulicus, des Befehlshabers der Legionen in Germanien. Ob die Muscheln ein Scherz oder eine Demütigung des Heeres waren, entscheiden die Quellen nicht, und die Historiker streiten darüber.
Im August des Jahres 40, an seinem eigenen Geburtstag, zieht er in einer Ovatio, einem kleineren Triumph, in Rom ein. Ihm bleiben einige Monate.