Herr und Gott — Domitian: Herr und Gott

Die ersten Monate der Herrschaft. Der Kaiser schließt sich täglich mehrere Stunden allein ein. Er fängt Fliegen und durchbohrt sie mit einem spitzen Griffel. Jemand fragt vor der Tür, ob drinnen jemand beim Caesar sei. Der Senator Vibius Crispus antwortet: „Nicht einmal eine Fliege.“

Domitia wird Augusta. Sie haben einen Sohn, doch der Junge stirbt im zweiten Jahr der Herrschaft des Vaters. Domitian erklärt ihn zum Gott. Dann folgt ein Skandal: Die Kaiserin verliebt sich in den Schauspieler Paris. Sueton schreibt, der Kaiser habe sich von ihr scheiden lassen, die Trennung nicht ertragen und sie bald wieder aufgenommen, mit der Behauptung, das Volk verlange es. Dio erzählt es schärfer: Domitian habe sie hinrichten lassen wollen, ein gewisser Ursus habe ihn davon abgebracht. Paris wurde mitten auf der Straße getötet, und die Menschen, die dort Blumen niederlegten, ließ man umbringen. Der Kaiser selbst sagt, er habe seine Frau „auf sein göttliches Lager“ zurückgerufen.

Und hier beginnt ein Problem für jeden, der ihn einfach nur hassen will. Derselbe Sueton räumt ein, dass Domitian gewissenhaft Recht sprach und die Beamten kurzhielt. Nie seien die Beamten in Rom und die Statthalter der Provinzen so redlich und gerecht gewesen, schreibt er – nach ihm habe man viele von ihnen aller möglichen Vergehen angeklagt gesehen. Ein Kaiser, der Denunzianten nicht bestraft, züchtet sie selbst: Auch das ist seine Meinung.

Er baut wie besessen. Das Kapitol steht wieder – zum zweiten Mal binnen gut eines Jahrzehnts –, nur lässt er auf den wiederaufgebauten Tempeln allein seinen eigenen Namen einmeißeln, ohne die Namen der früheren Bauherren. Er errichtet ein Stadion, auf dessen Grundriss heute die Piazza Navona liegt, ein Odeon für Musiker und einen Tempel des flavischen Geschlechts. Auf dem Palatin wächst ein neuer Palast. An einem der Bögen schreibt jemand auf Griechisch: „Genug“.

Und dann kommen die Titel. Sueton schreibt, der Kaiser habe im Namen seiner Verwalter ein Rundschreiben verschicken lassen, das mit den Worten begann: „Unser Herr und unser Gott befiehlt, dass es so geschehe.“ Von da an redete man ihn schriftlich und mündlich so an. Dio bestätigt: Domitian wollte als Gott gelten und war stolz, wenn man ihn „Herr“ und „Gott“ nannte.

Am besten fängt dieses Hofleben die Satire ein. Juvenal, ein Dichter, der erst nach dem Tod des Kaisers schrieb, erzählt, wie ein Fischer Domitian in die Villa am Albanerberg einen riesigen Steinbutt bringt. Es gibt keine Platte, die groß genug wäre, also beruft der Kaiser eine Beratung der wichtigsten Männer des Staates ein. Sie rennen in Panik herbei, als gelte es Nachrichten von den Germanen. Nach langer Beratung beschließen sie: den Fisch im Ganzen zu lassen, eigens eine Platte zu formen, und künftig sollen Töpfer dem Heerlager des Kaisers folgen. Unter den Ratgebern ist der alte Crispus, der mit den Fliegen. Er wurde achtzig, weil er nie sagte, was er dachte. Juvenal nennt den Kaiser den „kahlen Nero“. Der Kaiser, fügt Sueton hinzu, war wegen seiner Glatze sehr empfindlich, obwohl er selbst ein Buch über Haarpflege geschrieben hatte.

An den Grenzen sterben Menschen, und in Rom zählt der Kaiser seine Ehren.

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