Hundert Tage — Titus: Die Wolke wie eine Pinie
Das Jahr 80. Das Feuer wütet drei Tage und drei Nächte (Sueton, Titus 8). Dio zählt auf, was verbrannte: die Tempel der Isis und des Serapis, die Saepta, das Pantheon und die Agrippathermen, das Balbustheater, das Bühnengebäude des Pompeiustheaters, die Bauten der Octavia samt den Büchern. Und der Jupitertempel auf dem Kapitol, elf Jahre nach dem vorigen Brand. Den Menschen schien es das Werk von Göttern, nicht von Menschen (66.24).
Sueton hält fest, Titus habe während des Brandes nur gesagt: „Ich bin ruiniert.“ Dann gibt er alle Zierstücke seiner Villen für öffentliche Gebäude und Tempel her. Die Arbeiten überträgt er mehreren Rittern, damit sie möglichst schnell vorangehen (Titus 8).
Dazu kommt eine Seuche über Rom, wie man sie, schreibt Sueton, kaum kannte. Der Kaiser versucht alles: Opfer für jeden Gott und jedes Heilmittel (Titus 8). Dio bringt sie mit der Asche des Vesuvs in Verbindung, die bis nach Rom gelangte (66.23).
Im selben Jahr bekommt Rom etwas, das bis heute steht. Der Vater hatte begonnen, ein großes Amphitheater zu bauen. Der Sohn eröffnet es.
Den Namen „Kolosseum“ kennt noch niemand. Die Römer sagen einfach: das Amphitheater. Titus wirft von oben hölzerne Kugeln ins Publikum. Auf jeder steht ein Geschenk: Essen, Kleidung, ein silbernes oder goldenes Gefäß, ein Pferd, Vieh, sogar ein Sklave. Wer eine Kugel fängt, holt das Geschenk bei den Beamten ab (Dio 66.25).
Der Dichter Martial hält den Kampf zweier Gladiatoren fest, Priscus und Verus. Lange hat keiner die Oberhand. Die Zuschauer rufen, man solle beide freilassen. Der Kaiser, wohl Titus, hält sich an die Regeln, schickt aber schließlich beiden hölzerne Schwerter und Preise. Ein hölzernes Schwert heißt: Du musst nicht mehr kämpfen. Zum ersten Mal, schreibt der Dichter, siegten im Kampf zweier beide (Liber spectaculorum 29).
Dio schreibt von zwei Seeschlachten. Die erste findet in der überfluteten Arena des Amphitheaters statt: Pferde und Stiere schwimmen darin, und auf Schiffen kämpfen „Korinther“ gegen „Korkyräer“. Die zweite in der alten Naumachie des Augustus, einem künstlichen Teich jenseits des Tibers, wo dreitausend Männer „Athener“ und „Syrakusaner“ darstellen (66.25). Sueton erwähnt nur die zweite (Titus 7). Martial schwärmt von der Schlacht dort, wo „eben noch Land war“ (Liber spectaculorum 24).
Am letzten Tag der Spiele weint der Kaiser so, dass das ganze Volk es sieht (Sueton, Titus 10; Dio 66.26). Niemand weiß, warum. Dann reißt sich beim Opfer das Tier unter dem Messer los. Und aus heiterem Himmel donnert es.