Städte unter der Asche — Titus: Die Wolke wie eine Pinie

Unter der Wolke liegt Pompeji, etwa zehn Kilometer vom Krater entfernt, in Windrichtung. Seit dem frühen Nachmittag regnet hier Bimsstein herab: leichte Steinchen, erst weiß, dann grau, Schicht um Schicht, mehr als zehn Stunden lang. Die Dächer brechen unter der Last. Wer kann, flieht.

Herculaneum liegt näher am Berg, aber der Wind weht in die andere Richtung, und Bimsstein fällt dort kaum. In der Nacht rutscht vom Berg eine Lawine aus heißem Gas und Asche herab. Die Bewohner verstecken sich in den Bootshäusern am Strand – vermutlich in der Hoffnung auf Schiffe. Die Schiffe kommen nicht. Am Morgen des zweiten Tages erreichen solche Lawinen Pompeji und dann Stabiae.

Cassius Dio, der mehr als hundert Jahre später darüber schreibt, fügt Riesen hinzu, die man im Rauch gesehen habe, und den Klang von Trompeten. Nach ihm erreichte die Asche Afrika, Syrien und Ägypten und verdunkelte in Rom die Sonne. Er behauptet auch, Pompeji sei verschüttet worden, als das Volk im Theater saß (66.22–23). Die Ausgrabungen bestätigen das nicht: Die Opfer fand man in Häusern und auf Straßen.

Die Städte verschwinden für mehr als anderthalb Jahrtausende. Im Jahr 1738 beginnen auf Befehl des Königs von Neapel die Ausgrabungen in Herculaneum, 1748 in Pompeji. Dass es wirklich Pompeji ist, weiß man sicher erst 1763, als eine Inschrift mit dem Namen der Stadt aus der Erde kommt. Im Jahr 1863 kommt der Archäologe Giuseppe Fiorelli auf die Idee, die Hohlräume in der Asche mit Gips auszugießen. So blieben die Gestalten von Menschen im letzten Augenblick erhalten. Wir zeigen sie nicht: Es sind Menschen, keine Ausstellungsstücke.

Pompeji schenkte dem 19. Jahrhundert auch eine Legende. Ein römischer Wachposten steht am Tor, während alle fliehen, und stirbt auf seinem Posten. Berühmt gemacht hat sie der Roman „Die letzten Tage von Pompeji“ von Edward Bulwer-Lytton (1834), und 1865 malte ihn Edward Poynter.

Ein Rätsel bleibt: Wann geschah das? In den Briefen des Plinius steht, wie sie uns überliefert sind: der neunte Tag vor den Kalenden des September, also der 24. August. Jahrhundertelang zweifelte niemand daran. Doch die Briefe schrieben mittelalterliche Kopisten ab, und ein Teil der Handschriften nennt das Datum anders. Und die Erde Pompejis sagt ihr Eigenes.

Und der Kaiser? Titus lost unter den ehemaligen Konsuln Kommissare für die Rettung Kampaniens aus. Das Vermögen der Toten, die keine lebenden Erben hinterlassen haben, überlässt er dem Wiederaufbau der verschütteten Städte (Sueton, Titus 8). Dio fügt hinzu, er nehme von niemandem Geschenke an – weder von Privatleuten noch von Städten noch von Königen –, obwohl viele sie anbieten. Er zahlt aus dem, was in der Staatskasse ist (66.24). Pompeji wird jedoch niemand mehr wieder aufbauen.

Ein Jahr später ist Titus in Kampanien beim Wiederaufbau. Da bricht in Rom ein Brand aus.

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