Legat des Senats und des Volkes — Das Jahr 69 I: Soldaten kauft man nicht

Frühjahr 68, Carthago Nova, das heutige Cartagena. Galba regiert Hispanien seit acht Jahren. Anfangs war er streng bis zur Grausamkeit. Dann ließ er nach, damit Nero keinen Grund zur Eifersucht hatte. Er pflegte zu sagen, niemand müsse sich dafür rechtfertigen, dass er nichts getan habe.

In die Stadt kommen Briefe. Der Statthalter Aquitaniens bittet um Hilfe, weil Gallien sich erhebt. Gaius Iulius Vindex fordert Galba auf, Befreier und Anführer des Menschengeschlechts zu werden. Und Galbas Leute fangen noch etwas ab: Neros geheime Befehle an seine Agenten. Sie sollen Galba töten.

Galba willigt „ohne großes Zögern“ ein, von Furcht ebenso getrieben wie von Hoffnung. Er besteigt die Tribüne, vor der er Bilder der von Nero Hingerichteten aufgestellt hat. Daneben steht ein Knabe aus edlem Haus, aus der Verbannung auf den Balearen zurückgeholt. Galba spricht von den Nöten der Zeit. Die Soldaten rufen: „Imperator!“

Ein bescheidener Titel, unbescheidene Vorbereitungen. Galba hebt unter den Provinzbewohnern eine neue Legion aus. Aus den ältesten Aristokraten bildet er eine Art eigenen Senat. Vor seinem Schlafgemach stellt er statt Soldaten junge Ritter auf. Beinahe endet es sofort: Eine der Reiterabteilungen versucht, auf Neros Seite zurückzukehren, und Sklaven, die ihm ein Freigelassener Neros geschenkt hatte, erwarten Galba in einem engen Gang zum Bad. Ein unvorsichtiges Wort verrät sie.

Im Mai kommt eine schlimmere Nachricht. Bei Vesontio, dem heutigen Besançon, schlagen die Legionen Obergermaniens das Heer des Vindex. Die Feldherren hatten sich angeblich gerade verständigt, doch die Soldaten griffen ohne Befehl an. Vindex nimmt sich das Leben.

Der Sieger ist Lucius Verginius Rufus, Statthalter Obergermaniens. Seine Soldaten zerschlagen Neros Standbilder und rufen ihm zu: „Caesar! Augustus!“ Jemand schreibt diese Worte auf ein Feldzeichen. Verginius lässt sie auslöschen. Die Wahl des Kaisers, wiederholt er, gehöre dem Senat und dem Volk. Plutarch fügt hinzu, als die Nachricht von Neros Tod kam, habe ein Tribun im Zelt das Schwert gezogen und ihn vor die Wahl gestellt: Macht oder Eisen. Verginius lehnte trotzdem ab.

Galba weiß, wie viele Legionen am Rhein stehen und wie viele er selbst hat. Er zieht sich in die Stadt Clunia zurück. Er steht kurz vor dem Zusammenbruch. Sueton schreibt, er habe alles für verloren gehalten.

Gerettet wird er durch einen Kurier. Der Freigelassene Icelus ist sieben Tage aus Rom unterwegs und stürmt unangemeldet in sein Gemach. Nero ist tot. Es ist derselbe Juni, in dem in der Villa des Phaon das Geschlecht des Augustus endete – du kennst diese Nacht. Senat und Volk haben Galba als Kaiser anerkannt. Der Greis legt den Titel des Legaten ab und nimmt den Namen Caesar an. Er bricht nach Rom auf, im Feldherrnmantel, einen Dolch um den Hals gehängt.

In Rom wartet auf ihn ein Mann, der glaubt, er habe ihm den Thron verschafft. Nymphidius Sabinus, der Prätorianerpräfekt, hat die Prätorianer überredet, Nero zu verlassen. Dafür versprach er ihnen im Namen Galbas Geld. Plutarch nennt die Summe: siebentausendfünfhundert Drachmen für jeden Prätorianer, also dreißigtausend Sesterzen. Solches Geld, fügt er hinzu, ließe sich nicht aufbringen, ohne der ganzen Welt Schaden zuzufügen. Dieses Versprechen hat Nero getötet. Bald wird es Galba töten.

Nymphidius geht weiter. Ihn stört das Gerücht nicht, er sei ein Sohn Caligulas, denn seine Mutter stand dem jungen Gaius angeblich nahe. Plutarch bemerkt, diese Affäre sei wohl später gewesen als seine Geburt. Der Präfekt will den Thron für sich. Eines Nachts geht er ins Lager, um sich zum Kaiser ausrufen zu lassen, mit einer auswendig gelernten Rede. Er findet das Tor verschlossen. Der Tribun Antonius Honoratus hatte die Soldaten schon gefragt, wie viele Herren sie noch verraten wollten. Nymphidius wird im Lager von den Prätorianern getötet.

Der Präfekt ist fort. Sein Versprechen ist geblieben. Die Garde wartet auf das Geld, das im Namen Galbas versprochen wurde.

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