Feuer auf dem Kapitol — Das Jahr 69 II: Das Kapitol in Flammen

April 69. Vitellius ist noch in Gallien. Seit drei Monaten nennt er sich Kaiser, obwohl Rom einen anderen hat. Seine Feldherren sind über die Alpen vorausgezogen. Er selbst schleppt sich mit dem Rest des Rheinheeres hinter ihnen her, als müsse der Krieg erst noch beginnen. Nach einigen Marschtagen holt ihn ein Bote ein. Bei Bedriacum haben seine Legionen Otho geschlagen. Otho ist tot. (Tac. 2.57; Suet. Vit. 10.1)

In Rom jubeln dieselben Menschen, die eben noch um Othos Sieg gebetet hatten, jetzt Vitellius zu. Cassius Dio kommentiert es knapp: In menschlichen Dingen gibt es nichts Beständiges. (Dio 65.1)

Den Eid der Soldaten in der Hauptstadt nimmt der Stadtpräfekt ab. Er heißt Flavius Sabinus. Er ist der ältere Bruder Vespasians, des Feldherrn, der im Osten gegen die Juden kämpft. Merk ihn dir. Im Dezember wird er das Kapitol gegen die Soldaten des Kaisers verteidigen, auf den er sie heute schwören lässt. Der Senat verleiht Vitellius in einer einzigen Abstimmung alle Ehren, die seine Vorgänger über Jahre gesammelt hatten. (Tac. 2.55, 3.69)

Wer ist der Mann, dem der Thron in den Schoß fiel? Galba gab ihm das Heer am Rhein aus einem einzigen Grund. Nicht aus dem, der einem zuerst einfällt.

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