Grenzen — Domitian: Herr und Gott
Zuerst tut Domitian, was Galba nie tun wollte. Er erhöht den Sold um ein Drittel: Jeder Soldat bekommt im Jahr drei Goldmünzen mehr. Dio rechnet anders: Jede der drei Raten steigt von dreihundert auf vierhundert Sesterzen. Das ergibt dasselbe – ein Drittel mehr. Galba sagte, Soldaten kaufe man nicht. Domitian zahlt. Das Heer wird ihn lieben. Die Staatskasse nicht.
Rom bekommt Frieden – und ein Schauspiel. Decebalus’ Gesandter empfängt vom Kaiser das Diadem, als würde Domitian den Dakern Könige bestimmen. In die Hauptstadt reisen Gesandte und ein Brief des Königs. Man munkelt, der Kaiser habe ihn gefälscht. Bei den Feiern trägt man Beute, doch Dio schreibt, es seien Geräte aus den Lagern des Palastes, denn in diesem Krieg gab es keine Beute. Erinnerst du dich an das Schwarze Gastmahl? Dio beschreibt es gerade unter diesen „Triumphen“. Jetzt weißt du, wessen Begräbnis man dort beging.
Bleibt die Sache mit dem Aufstand. Der Statthalter, der ihn ausgelöst hat, Lucius Antonius, ist tot. Sein Bezwinger, Lucius Maximus, findet in den Truhen des Rebellen dessen Papiere. Und verbrennt sie alle. Dio schreibt, er könne ihn dafür nicht genug loben: Maximus riskierte den eigenen Kopf, damit niemand diese Briefe benutzen konnte, um andere zu erpressen. Erinnerst du dich an Otho, der in der letzten Nacht Briefe verbrannte? Dieselbe Geste, zwanzig Jahre später.
Domitian sucht trotzdem Schuldige. Sueton schreibt, nach diesem Bürgerkrieg sei er noch grausamer geworden. Er verbietet, zwei Legionen in einem Lager zu halten und in der Lagerkasse mehr als tausend Sesterzen pro Soldat zu verwahren. Er kam zu dem Schluss, die Ersparnisse zweier Legionen aus dem gemeinsamen Winterlager hätten dem Rebellen das Geld gegeben.
Und Britannien? Dort kam der Feldherr Gnaeus Julius Agricola mit den Legionen weiter nach Norden als jeder Römer vor ihm. Wir wissen so viel über ihn, weil Tacitus seine Tochter heiratete und die Biographie seines Schwiegervaters schrieb. Tacitus legt dem Anführer der Briten, Calgacus, eine Rede vor der Schlacht in den Mund. Er schrieb sie selbst, aber einen Satz daraus zitiert Europa bis heute.
Domitian nimmt die Nachricht vom Sieg mit einem Lächeln im Gesicht und Unruhe im Herzen auf. Tacitus schreibt, am meisten habe er gefürchtet, dass der Name eines Privatmannes sich über den Namen des Kaisers erheben könnte. Er gibt Agricola die Triumphalinsignien und ruft ihn ab. Der Feldherr kehrt nachts nach Rom zurück, wie befohlen. Im Palast begrüßt ihn der Kaiser mit einem kurzen Kuss – und ohne ein Wort. Agricola verschwindet in der Menge der Höflinge.
Seit dem Aufstand in Mogontiacum sieht Domitian überall eine Verschwörung.
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