Das Schwarze Gastmahl — Domitian: Herr und Gott

Die Tür öffnet ein Bote des Kaisers. Der Gast ist sicher, dass es diesmal das Ende ist. Der Bote trägt eine Platte mit seinem Namen – dieselbe, die beim Mahl neben ihm stand. Nur ist sie aus Silber. Hinter ihm treten die Nächsten ein: die Gefäße, aus denen er im schwarzen Saal gegessen hat, aus kostbarem Metall. Zuletzt der Knabe, der an seinem Speisesofa gestanden hatte wie ein Gespenst. Jetzt gewaschen und herausgeputzt. Auch er ein Geschenk.

Die Gäste hatten eine ganze Nacht in Todesangst verbracht und bekamen im Morgengrauen Geschenke. Rom gab dem Ganzen schnell seinen eigenen Namen: ein Totenmahl für die, die in Dakien und in Rom gefallen waren. Cassius Dio fügt trocken hinzu, dass der Kaiser sogar in diesen Tagen bedeutende Männer töten ließ.

Ein Scherz? Eine Lektion in Gehorsam? Eine Drohung? Bei diesem Kaiser alles zugleich. Dio schreibt, Domitian habe plötzlich zuschlagen können wie ein Blitz, ein andermal habe er einen Menschen nach langem Überlegen vernichtet. Und stets habe er dem Zuneigung geheuchelt, den er gerade aus dem Weg räumen wollte.

Bevor du jedes Wort glaubst, frag dich: Wer schreibt das? Dio lebte mehr als hundert Jahre später. Tacitus und Plinius der Jüngere waren unter Domitian Senatoren und stiegen während seiner Herrschaft auf – Tacitus gibt das selbst zu. Sueton war damals ein Junge in Rom. Alle schrieben, als Domitian schon tot war und man ihn hassen durfte.

Das heißt nicht, dass sie lügen. Es heißt, dass das Porträt dieses Kaisers von Menschen gemalt wurde, die sich vor ihm fürchteten und sich vor ihm verbeugten. Erinnerst du dich an Caligula? Hier ist es ähnlich. Am Ende der Folge legen wir zwei Porträts nebeneinander, und du siehst, welches überzeugender ist.

Um dieses Gastmahl zu verstehen, gehen wir zurück zu dem Jungen, der vom brennenden Kapitol floh.

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