Der Kaiser aus Ägypten — Vespasian: Geld stinkt nicht

In zwei Jahren besetzt Vespasian die ganze Ebene und alle Städte Judäas außer Jerusalem. In dieser Zeit stirbt in Italien Nero, und nach ihm ringen Galba, Otho und Vitellius um den Thron. Aus den vorigen Folgen weißt du, wie das von Rom aus aussah. Im Osten blicken die Menschen auf einen einzigen Mann.

Im Sommer 69, schreibt Tacitus, begrüßen ihn einige Soldaten vor seinem Quartier einfach als Kaiser, und der Rest greift den Ruf auf. Josephus, der damals als Gefangener im Lager war, erzählt anderes: Der Feldherr habe sich lange geweigert, bis die Soldaten sich mit gezogenen Schwertern um ihn stellten und drohten, ihn zu töten, wenn er nicht zu herrschen einwillige. Diese Version macht sich gut in einem Buch, das für eine neue Dynastie geschrieben wird: ein Thron, den man nicht wollte.

Einige Wochen später, in Berytus, erinnert sich der Kaiser an den Gefangenen. Er ruft die Befehlshaber und sagt, es sei eine Schande, einen Mann in Ketten zu halten, der ihm die Herrschaft vorausgesagt habe. Titus fügt einen Rat hinzu: Man solle die Kette nicht aufschließen, sondern durchtrennen. So behandelte man in Rom Menschen, die zu Unrecht gefesselt worden waren: als wären sie nie gebunden gewesen. Jemand tritt ein und durchtrennt die Kette. Von da an ist der Gefangene ein Mann des Kaisers. Im Herbst muss der Kaiser entscheiden, wie es weitergeht. In der Hand hat er etwas Wertvolleres als Legionen.

Ende des Jahres erreichen ihn in Alexandria Nachrichten, dass seine Legionen das Heer des Vitellius bei Cremona geschlagen haben und Vitellius selbst tot ist. Der Kaiser bleibt vor Ort und wartet auf die Sommerwinde. In diesen Monaten geschehen Dinge, die die Römer für Wunder hielten. Zum Kaiser auf dem Richterstuhl kommt ein Blinder und mit ihm ein Mann mit einer kranken Hand. Beide behaupten, der Gott Serapis habe ihnen befohlen, um Hilfe zu bitten: Der Kaiser solle dem Blinden die Augen mit Speichel benetzen, dem Kranken die Hand mit dem Fuß berühren. Vespasian lacht zuerst und lehnt ab. Dann fragt er die Ärzte, ob sich solche Leiden überhaupt heilen lassen. Er hört: vielleicht ja, und wenn nicht, machen sich nur die Bittsteller lächerlich. Er tut, worum man ihn bittet, vor einer großen Menschenmenge. Beide gehen geheilt davon.

Das erzählen drei Autoren. Tacitus fügt einen Satz hinzu, den man sich merken sollte: Augenzeugen wiederholen die Geschichte noch jetzt, wo die Lüge nichts mehr einbringt. Sueton schreibt geradeheraus, was diese Wunder ihm gebracht haben. Dem neuen Kaiser, ohne Herkunft und ohne Ahnen, fehlte es an Ansehen und gleichsam an Göttlichkeit. Jetzt bekam er sie.

Die Alexandriner kümmerte mehr das Geld. Sie hofften auf eine Belohnung dafür, dass sie den Kaiser als Erste anerkannt hatten, und bekamen neue Steuern. Sie sangen Spottverse auf ihn über „sechs Obolen mehr“ und gaben ihm den Namen eines ihrer Könige, eines berühmten Geizkragens.

In Rom üben unterdessen zwei Männer die Macht aus. Licinius Mucianus, der Statthalter von Syrien, behauptet, er habe Vespasian den Thron gegeben. Er trägt einen Ring mit dem kaiserlichen Siegel und unterschreibt Befehle im Namen des Kaisers. Neben ihm vergibt der achtzehnjährige Domitian, der jüngere Sohn, Ämter. An einem Tag besetzt er über zwanzig. Der Vater schreibt ihm einen Brief.

Sueton kennt eine zweite Version derselben Bosheit: Der Vater habe sich gewundert, dass der Sohn bei so vielen Ernennungen auf einmal nicht auch einen Nachfolger für den Kaiser bestimmt habe. Tacitus hält fest, was man über den Abschied von Titus sagte. Bevor der ältere Sohn nach Jerusalem aufbrach, bat er den Vater lange, nicht auf Denunziationen gegen den Bruder zu hören. Legionen und Flotten, sagte er, seien keine so sichere Stütze der Macht wie eine zahlreiche Familie. Der Vater war gerührt. Mit Domitian versöhnt war er nicht.

Im Sommer 70 besteigt Vespasian ein Handelsschiff. Er fährt nach Lykien, dann nach Brundisium, wo Mucianus und die Senatoren warten. Den jüngeren Sohn trifft er erst in Beneventum, kühl. Nach Rom zieht er im Herbst ein. In Judäa bleibt der ältere Sohn. Und eine Stadt mit drei Mauern.

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