Die fünfte Stunde — Domitian: Herr und Gott
Der Palast, Jahr 96. Domitia ist seit über fünfundzwanzig Jahren die Frau des Kaisers. Dio schreibt, ihr Mann habe sie gehasst, und sie habe um ihr Leben gefürchtet. Was danach geschah, erzählt Dio mit den Worten: „Ich habe auch diese Version gehört.“ Der Kaiser habe auf einer zweiflügeligen Tafel die Namen der Menschen verzeichnet, die er auf einen Schlag loswerden wollte, und sie unter sein Kissen gelegt. Als er tagsüber schlief, trug einer der Knaben, die ihm dienten, die Tafel hinaus, ohne zu wissen, was darauf stand.
Auch der Himmel redet mit. Acht Monate lang schlagen in Rom Blitze ein: ins Kapitol, in den Tempel des flavischen Geschlechts, in den Palast, sogar ins Schlafzimmer des Kaisers. „Soll er jetzt treffen, wen er will“, ruft Domitian schließlich. Im Traum erscheint ihm Minerva, seine Lieblingsgöttin: Sie tritt aus ihrer Kapelle und sagt, sie könne ihn nicht mehr beschützen, denn Jupiter habe sie entwaffnet. Der Astrologe Asclatarion sagte ihm den Tod voraus und sagte auch seinen eigenen voraus. Der Kaiser wollte ihm beweisen, dass er sich irrte. Es gelang nicht.
Am Abend des 17. September bringt jemand dem Kaiser Äpfel. Er lässt sie für morgen beiseitelegen und fügt hinzu: „Falls ich lebe.“ Dann sagt er zu seinen Begleitern, morgen werde sich der Mond im Zeichen des Wassermanns blutrot färben, und es werde etwas geschehen, wovon die ganze Welt sprechen werde.
Die Weissagung aus der Jugend hatte eine Stunde. Er fürchtete die fünfte.
Stephanus schlägt zu, als der Kaiser ein Schriftstück liest. Domitian wehrt sich: Er wirft den Angreifer zu Boden und ringt lange mit ihm. Beendet wird es von den Verschwörern, die ins Schlafzimmer stürmen: dem Offizier Clodianus, Parthenius’ Freigelassenem Maximus, Satur, dem Vorsteher der Kammerherren, und einem Gladiator aus der kaiserlichen Schule. Die Tür ist verschlossen. Der Knabe, der im Schlafzimmer die Hausgötter hütete, hat alles gesehen. Von ihm stammt, was wir über den Dolchgriff wissen.
Dio erzählt das etwas anders. Die Klinge unter dem Kissen hatte schon vorher Parthenius selbst weggenommen, damit der Kaiser sich nicht damit wehren konnte. Stephanus starb gleich darauf, getötet von Leuten, die von der Verschwörung nichts wussten. Der Überlieferung nach wussten auch beide Prätorianerpräfekten Bescheid. Domitian war vierundvierzig Jahre alt und hatte fünfzehn Jahre und fünf Tage regiert.
Und jetzt das Seltsamste, und Dio weiß davon. Im selben Augenblick steigt in Ephesos der Weise Apollonios von Tyana angeblich auf einen Felsen, versammelt die Leute und ruft: „Gut so, Stephanus! Bravo, Stephanus! Triff den blutigen Tyrannen!“ Dio schreibt, es sei wirklich so gewesen, „auch wenn jemand zehntausendmal daran zweifelt“.
Der Senat tritt innerhalb weniger Stunden zusammen.