Die Gemonische Treppe — Das Jahr 69 II: Das Kapitol in Flammen

Vitellius schickt Vestalinnen mit einem Brief zu Primus. Er bittet um einen Tag Waffenruhe. Die Antwort: Nach dem Mord an Sabinus und dem Brand des Kapitols gebe es nichts zu besprechen. Der Philosoph Musonius Rufus geht unter die Soldaten und spricht zu ihnen von den Wohltaten des Friedens. Er kommt mit knapper Not davon. (Tac. 3.81)

Auf der Gemonischen Treppe, dort, wo am Tag zuvor die Leiche des Sabinus hingeworfen wurde, töten sie ihn. Die Menge schmäht den Toten ebenso, wie sie den Lebenden umschmeichelt hatte. (Tac. 3.85; Dio 65.21)

Er war vierundfünfzig Jahre alt, wenn man vom Geburtsdatum und nach Cassius Dio rechnet. Tacitus und Sueton sprechen vom siebenundfünfzigsten Lebensjahr. Er regierte fast ein Jahr, von der Ausrufung am Rhein an gerechnet. Von der Anerkennung in Rom an – acht Monate. (Dio 65.22; Tac. 3.86; Suet. Vit. 3.2, 18; BJ 4.11.4)

Bestattet hat ihn seine Frau Galeria. Sein Bruder Lucius ergab sich bei Bovillae und wurde hingerichtet. Der kleine Sohn überlebte den Vater nicht lange. Vespasian verheiratet später die Tochter des Vitellius glänzend, mit Mitgift und Aussteuer. (Dio 65.22; Tac. 4.2; Suet. Vesp. 14)

Abends kommt Domitian aus dem Versteck. Die Soldaten begrüßen ihn als Caesar und geleiten ihn bewaffnet zum Haus seines Vaters. Als die Angst vorüber ist, tritt der Senat zusammen. Er beschließt für Vespasian alles, was man Kaisern gewöhnlich gab. Primus erhält die Insignien des Konsuls. Außerdem beschließt man, das Kapitol wieder aufzubauen. (Tac. 3.86, 4.3–4)

Ein Teil dieses Gesetzes ist auf einer Bronzetafel erhalten. Sie liegt heute in den Kapitolinischen Museen, auf demselben Hügel, der im Dezember 69 verbrannte. (CIL VI 930)

Wer war Vitellius? Tacitus antwortet kurz: Den Purpur boten ihm Leute an, die ihn nicht kannten. Er hatte Aufrichtigkeit und Großzügigkeit in sich, räumt sogar er ein, aber ohne Verstand gereichten sie ihm zum Verderben. Und er warnt, dass Historiker, die unter den Flaviern schrieben, den Siegern gern schmeichelten. (Tac. 3.86, 2.101)

Vitellius war kein Ungeheuer aus den Anekdoten. Er war ein Mann ohne Willen, den die Soldaten trugen. Er starb, weil er weder kämpfen noch gehen konnte.

Der neue Kaiser ist in Alexandria. Er hat Rom seit Jahren nicht gesehen. Vor zwei Jahren sagte ihm bei Jotapata in Galiläa ein Gefangener, er werde Kaiser werden. Damals glaubte er ihm nicht.

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